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    Piratensender - Schwarzsender
    Am 6. August 1959 sendete illegal erstmals

    Ein Piratensender (auch Seesender genannt ist ein Rundfunksender – in der Regel Hörfunk –, der als Schwarzsender innerhalb eines Staatsgebietes sein Programm ohne Lizenz ausstrahlt.


    Begrifflichkeit


    Der Begriff „Piratensender“, mittlerweile gängiger Begriff im deutschen Sprachgebrauch, ist allgemein weitaus häufiger anzutreffen als das Wort „Schwarzsender“ und ist in Fachkreisen (Funkamateure, Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer) sowohl unstrittig als auch in deren Veröffentlichungen eine eigenständige Rubrik. In der Schweiz verwendet man den Begriff „Radiopiraten“ für das Piratensender-Phänomen.

    Der Begriff „Piratensender“ wurde im allgemeinen Sprachgebrauch europaweit ursprünglich und vorwiegend nur für die sogenannten „Offshore“-Stationen auf Hoher See (außerhalb der Drei-Meilen-Zone) verwendet, wie Radio Nordsee International und Radio Caroline, die damals auf Schiffen beheimatet waren.

    Die ersten Offshore-Piratensender nutzten beim Start eine legale Sendemöglichkeit in den internationalen Gewässern und wurden erst durch einseitige Gesetzesänderungen zum Nachteil der Seesender untersagt, die nachträglich erfolgten. In einem berühmt gewordenen Kommentar zur Einstellung von Radio Caroline sprach ein Schiffs-DJ sogar von einem „kriminellen Akt der englischen Regierung“.

    Erst im Laufe der Jahre wurde im deutschen Sprachraum das Wort „Piratensender“ auch für landgestützte illegale Schwarzsender benutzt.

    Im englischen und niederländischen Sprachbereich werden seegestützte Schwarzsender weiterhin „Pirate Radio“, „Offshore-Radio“ oder „Teerjacken-Sender“ genannt. In Deutschland fehlt das Andenken an diese Radiomacher, die mit ihrer Arbeit von Hoher See aus als Begründer der heutigen europäischen vielfältigen Radiolandschaft gelten können.

    Definition


    Man kann drei Typen von Radiopiraten unterscheiden:

    • die politischen, denen es um die Verbreitung ihrer politischen Botschaft geht, aber manchmal ein breiteres Programm anbieten
    • die kommerziellen, die Werbung verkaufen und
    • die Bastler, die fasziniert von der Sendetechnik sind.

    Nicht als Piratensender werden solche Sender bezeichnet, die in dem Land, in dem sie ausstrahlen, legal sind, aber in einem Nachbarland, wo sie ebenfalls empfangen werden können, von den Behörden missbilligt werden. Unterliegen Nachrichten und Informationen im Empfangsgebiet einer politischen oder religiös motivierten Zensur, kommt solchen – meist als „Untergrundsender“ oder Clandestine-Radiostation bezeichneten – Rundfunksendern eine besondere Bedeutung zu.

    Oft werden Piratensender auch als „Freie Sender“ bezeichnet - jedoch nicht zu verwechseln mit Freien Radios oder dem Bürgerfunk. Piratensender sind nach landläufigem deutschen Verständnis auch Schwarzsender; der Begriff Schwarzsender ist aber weitaus umfassender und umfasst weitere Gruppen unlizenzierter Ausstrahlungen. Scharf zu unterscheiden sind hiervon Clandestine-Radiostationen. Diese sind nicht immer einwandfrei einzuordnen, gehören aber nicht zum Bereich Piratensender. Zum Teil wurden diese sogar (insgeheim) von Staatsregierungen betrieben. Dieser kleine Bereich zählt nicht zur Gruppe der Schwarzsender. Alles in allem spiegelten sich in den nicht immer auf Anhieb zu kategorisierenden Sendestationen die besondere Vielfalt des Mediums Rundfunk wider – vor allem auf Mittelwelle und Kurzwelle. Insbesondere die Mittelwelle hatte zu Beginn der Piratensender-Ära in den frühen 1960er Jahren eine starke Bedeutung.

    Geschichte


    Die Bezeichnung „Piratensender“ ist dem Umstand geschuldet, dass zur Ausstrahlung freie Sendefrequenzen ungefragt genutzt werden oder auch von anderen, legalen Sendern benutzte Frequenzen „gekapert“ und mit dem eigenen Programm überlagert werden (Störsender). Piratensender waren in der Geschichte häufig „Seesender“, da sie sich früher in internationalen Gewässern („Offshore“) den Zugriffen der Behörden entziehen konnten. Daher stammt auch der Begriff „Offshoreradio“. Des Weiteren bietet das Meerwasser eine exzellente Erdung, was insbesondere für den Sendebetrieb auf Kurz- und Mittelwellenfrequenzen vorteilhaft ist.

    Erste „Piratensender“ in den USA


    Die ersten Piratensender, die jedoch nicht als solche bezeichnet wurden, entstanden in den 1920er Jahren in Mexiko an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine kommerzielle, auf den Verkauf von Werbung ausgerichtete Radiokultur entwickelt. Sie bediente einen Massengeschmack. Da sie jedoch häufig zum Verkauf fragwürdiger Produkte, politischer Propaganda und anderer Verstöße gegen das US-Recht dienten, wurden die Sendelizenzen einiger Anbieter nicht verlängert. Diese wichen auf extrem leistungsstarke Sender an der mexikanischen Grenze aus, die in englischer Sprache sendeten und große Teile der USA erreichten.

    Als Auslandssender waren sie für die Hörer daran erkennbar, dass die Rufzeichen wie bei allen mexikanischen Sendern stets mit einem X begannen, während US-amerikanische Sender je nach Standort mit einem W oder einem K begannen (und nach wie vor beginnen).[3] In den USA ist es üblich, dass sich Rundfunksender on air mit ihrem Rufzeichen und nicht mit einem selbstgewählten Sendernamen identifizieren. Gesendet wurde mit bis zu 500 kW, während in den USA nur Sender mit maximal 50 kW lizenziert werden.

    Die klassischen Piratensender in Europa


    Die klassischen Piratensender entwickelten sich in Europa in den 1960er Jahren, vor allem in Großbritannien, wo sich zuvor, vorbildhaft für Europa, eine völlig andere Radiokultur als in den USA entwickelt hatte. Hier hatte die British Broadcasting Corporation (BBC), die bis heute das Idealmodell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darstellt, das Monopol. Es orientierte sich an den von Lord Reith entwickelten Prinzipien eines Bildungsauftrags der Sender, dem unabhängigen „Public Service Broadcasting“. Bei der BBC war damals „Massenkultur“ – im Gegensatz zur Hochkultur – ein negativ besetzter Begriff. So fand z. B. der seit den 1950er Jahren aufkommende Rock ’n’ Roll in Großbritannien fast nur auf dem in Luxemburg lizenzierten Privatsender Radio Luxemburg und dem US-amerikanischen Soldatensender AFN (in diesem Sinne auch Piratensender, da von der britischen Regierung nicht gebilligt) statt, die über Mittelwelle (oft nicht besonders gut) empfangen werden konnten.

    Als erster europäischer Piratensender nahm bereits im Jahr 1958 Radio Mercur den Sendebetrieb vor Dänemark auf, und zwar von einem ehemaligen deutschen Fischereischiff, umbenannt in „Cheeta“. Anschließend ging vor der niederländischen Küste Radio Veronica auf Sendung, gefolgt von Radio Nord vor Stockholm.

    Die bekanntesten britischen Piratensender, die ab 1964 sendeten, waren Radio Caroline und Wonderful Radio London, genannt Big L. Beide sendeten ihre Programme ebenfalls von Schiffen außerhalb der Hoheitsgewässer vor der britischen Küste. Andere Seesender hatten ihre Sendeanlagen auf verlassenen Forts aus dem Zweiten Weltkrieg in der Themsemündung errichtet (z. B. Shivering Sands, Red Sands).

    Die meisten Programme wurden in erster Linie vom Abspielen populärer Musik für jugendliche Hörer bestimmt, unterbrochen von Werbeeinblendungen und Nachrichten. Eingestreute Jingles, schnellsprechende Moderatoren und das Anmoderieren eines Musiktitels in die bereits gestartete Musik verliehen den Sendungen ein gewisses Tempo. Beliebt war es seinerzeit, die Sender mit den aufkommenden Transistorradios ortsungebunden zu empfangen.

    Die Diskjockeys erlangten den Status von Popstars. Bekannte DJs waren z. B. Kenny Everett, Tony Blackburn, John Peel, Tommy Vance, Johnnie Walker und Dave Lee Travis. Letztgenannter moderierte zeitweise zusammen mit Uschi Nerke auch die deutsche Fernsehsendung Beat-Club bei Radio Bremen.

    Nach Inkrafttreten des Marine Broadcasting Offences Act stellten fast alle britischen Seesender bis zum 14. August 1967 ihren Sendebetrieb ein, nur Radio Caroline blieb unter dem Namen Radio Caroline International bis zum 3. März 1968 weiterhin auf Sendung. An diesem Tag wurden dann beide Schiffe wegen finanzieller Forderungen durch die Wijsmuller Company in die Niederlande verbracht. Damit endete die klassische Ära der populären britischen Piratensender.

    In den sechziger und siebziger Jahren waren die Niederlande Ausgangspunkt verschiedener Piratensender wie Radio Veronica und Radio Nordsee International (RNI), die von Schiffen außerhalb der Hoheitsgewässer sendeten. Auch sie mussten am 31. August 1974 (Final-Closedown-Day) den Betrieb einstellen, nachdem auch die erste und zweite Kammer des niederländischen Parlaments – als letzte Regierung der Nordsee-Anrainerstaaten – dem sogenannten „Anti-Veronica-Gesetz“ zugestimmt hatte.

    Deutschland


    In der Auseinandersetzung um das Endlager für radioaktiven Müll in Gorleben sendete vom 18. Mai bis 4. Juni 1980 Radio Freies Wendland. Mit der Erstürmung der Republik Freies Wendland durch etwa 10.000 Beamte musste auch der Piratensender seinen Betrieb einstellen.

    In Frankfurt am Main entstand 1980 aus autonomen Zusammenhängen der Sender Radio Isnogud. 1981 sendeten die Startbahngegner mit einem eigenen Sender (Radio Luftikus) aus dem Hüttendorf auf dem Gelände der Startbahn West.

    Aus Ostbelgien sendete Radio Benelux (BNL) legal von 1981 bis 1984 ein meist unpolitisches Musikprogramm in den südwestlichen Teil Nordrhein-Westfalens. BNL nutzte eine Gesetzesänderung in Belgien, die eine Lizenzierung auf UKW mit 100 Watt Strahlungsleistung und das Aussenden in Mono möglich machte. Dass das BNL damit in NRW gut zu hören war, lag einzig und alleine daran, dass man von dem in 720 Meter über NN liegenden Baraque Michel sendete. Weitere deutschsprachige Sender folgten, die teilweise später durch die belgischen Behörden lizenziert worden sind, unter anderem Henri Radio aus Henri-Chapelle und Radio Distel aus Eupen. Vom unmittelbar vor Aachen liegenden Dreiländereck (320 m ü.NN) aus bei Gemmenich sendete ab 1983 auf UKW 101 MHz Radio101. Zuerst von einem umgebauten Fahrzeug aus, dann vom Baudouin-Turm auf der belgischen Seite (354m ü.NN), danach vom Dach eines Hochhauses auf der niederländischen Seite des Dreiländerecks und schließlich wieder vom Baudouin-Turm. Von dort aus sendete dann mit den Teams von Radio101 und Henri-Radio kooperierend für etwa ein halbes Jahr lang „Radio Telstar International“ (RTI) ein kommerzielles deutsch- und niederländischsprachiges Musikprogramm. In den Nachtstunden gab es gemeinsame Liveprogramme mit Henri Radio und Radio101. RTI speiste das recht kräftige Signal eines umgebauten Flugfunksenders der Firma Rohde und Schwarz in zwei vertikal polarisierte UKW-Dipolantennen, die in Richtung Niederlande strahlten, und zwei weitere horizontale Dipole, die nach Deutschland ausgerichtet waren. Aachen soll von RTI besser bestrahlt worden sein als vom WDR (Sender Aachen-Stolberg) und war daher für Werbetreibende interessant. RTI wurde von der belgischen Staatsanwaltschaft geschlossen und danach als lizenzierter Lokalsender Radio Telstar Offenburg (RTO) von 1987 bis 1992 unter recht ungünstigen Bedingungen (Frequenzsplitting mit Radio OHR) weitergeführt. Inzwischen war in Deutschland das öffentlich-rechtliche Rundfunkmonopol gefallen. Zuletzt sendeten einige der damals Verantwortlichen im Sommer 2008 und sporadisch auch in 2009 unter dem Namen RealFM aus Ostbelgien in Richtung Deutschland.

    Legendär waren auch die Partys in einem damals leerstehenden Haus in der Aachener Pontstrasse, deren Signal (DJ, Musik) mittels Richtfunk zum Dreiländereck Vaalserberg geschickt wurde, von wo sie dann über den Radio101-Sender auf UKW im Kreis Aachen zu hören waren.

    Ebenfalls Anfang der 1980er Jahre sendete „Radio Wahnsinn“ von wechselnden Sendestandorten ein politisches Programm im Raum Köln. Der Sendebeginn wurde kurz zuvor in Zeitungen angekündigt. Erkennungsmelodie des Senders war der Song Wahnsinn von BAP. Eine Sendung platzte, weil der am Kölner Dom aufgehängte Sender von einer Schülergruppe entdeckt und irrtümlich für eine Bombe gehalten wurde.

    Das von Aljoscha Rompe betriebene Radio P nutzte 1989/1990 die Wirren der Wende und sendete in Berlin ein chaotisches Programm. Die Sendeanlagen wurden auf den Dächern von Wohnhäusern wie beispielsweise den besetzten Häusern in der Schönhauser Allee Nr. 5 und Nr. 20 und dem Kunsthaus Tacheles aufgebaut. Bis 1994 sendete Radio P jedoch nicht durchgängig.[4][5]

    1997 begann TwenFM in Frankfurt/Main ein illegales DJ-Programm auszustrahlen. 1999 zog der Sender nach Berlin um und sendete dort illegal weiter. Nach Konfiszierung der Sendeanlagen pausierte der Sender 2000 und ging 2001 erneut mit einem 12-Stunden-Programm auf Sendung. Wieder wurde der Sender beschlagnahmt. Bis 2004 beteiligte sich TwenFM dann an legalen Veranstaltungsradios. Bis Oktober 2005 sendete TwenFM im Rahmen einer DAB-Promotion legal auf UKW.

    Radio Atlantis International, kurz RAI, sendete sonntags alle 14 Tage von 1985 bis zur Konfiszierung 1990 ein flott moderiertes Pop- und Dance-Programm im Raum Stolberg (Rheinland) auf UKW mit 50 Watt und etwa ab 1987 auch europaweit und teilweise bis nach Nordamerika auf Kurzwelle (mit 30 Watt).

    Abzugrenzen von der rechtlichen Lage der Piratensender ist der keine relevante Reichweite erzielende private Heimfunk in Deutschland.

    Schweiz


    Der älteste politische Piratensender in der Schweiz war die Wellenhexe (d’Wällehäxe), die ab 1976 im Raum Zürich Themen der Frauenbewegung wie Gleichheit der Geschlechter und Abtreibung thematisierte. Der damaligen PTT (Staatsbetrieb für Post und Telekommunikation) gelang es mit seinen Peilempfängern, einem Großaufgebot an Polizei und einem Hubschrauber nur ein einziges Mal, einen verlassenen Sender zu finden. Dort fand sich auch ein Flugblatt mit dem Text: „Wir brauchen keine Konzession und machen auch keine!“

    Bekanntester der politischen Sender war Radio Dreyeckland, das seit 1977 grenzüberschreitend im Dreiländereck Schweiz, Frankreich, Deutschland sendet und aus dem Widerstand gegen die drei Atomkraftwerke Fessenheim, Wyhl und Kaiseraugst entstanden war. Im Ländervergleich war nach Angaben der Macher die Schweizer PTT die rabiateste Verfolgungsbehörde.

    Nach einer Razzia gegen Radio Dreyeckland unterstützte auch François Mitterrand eine Petition zur Legalisierung des Senders. Nachdem er Staatspräsident geworden war, trug er dann tatsächlich dazu; seit Ende der 1980er Jahre sendet das Radio aus Freiburg im Breisgau sein politisch linkes Programm.

    Die 1976 ebenfalls in Zürich tätige Radiostation Radio Atlantis von Peter Käppeli sendete bereits in Stereo, während das offizielle Schweizer Radio noch Mono sendete.

    Radio 24 sendete ab November 1979 vom italienischen Pizzo Groppera aus rund 130 km weit mit dem damals stärksten UKW-Sender der Welt bis in den Raum Zürich hinein. Das Sendestudio befand sich in einem Einfamilienhaus in Cernobbio, in der Provinz Como. Die Schweizer Behörden versuchten mit allen Mitteln, den italienischen Staat zur Schließung des – nach italienischem Recht legalen – „Piratensenders“ zu bewegen. Im Großraum Zürich entstand quer durch alle sozialen Schichten eine eigentliche Volksbewegung, die sich für ein freies Radio in der Schweiz einsetzte.

     

    Österreich


    Am 2. September 1923 sendet Radio Hekaphon, dessen Betrieb offiziell einzustellen gewesen wäre, eine Ansprache des Bundespräsidenten anlässlich der Eröffnung der Wiener Herbstmesse.

    Radio Pfeilheim 1968 (laut dem Autor Gerald Freinhofer, damals Student) im 1965 errichteten Studentenheim der Akademikerhilfe 1080 Wien, Pfeilgasse 1 - 3.

    Radio Ö Frei 1980 - näheres unbekannt, vermutlich von der HTU - der Hochschülerschaft der Technischen Universität aus gesendet, rund um das Falter lesende Publikum beliebter Sender von Menschen, die mit der knapp darauf gegründeten Partei der Grünen Alternative in Österreich sympathisierten.

    Mitte der 1980er Jahre sendete im Raum Kitzbühel / Tirol Radio Ö4. Nach einiger Zeit wurden die drei Radiomacher (Chris M., Raimund G. und Harald B.) bei einer Sendung am Kitzbühler Horn in flagranti erwischt. Einige Jahre später sendete dort auf UKW 101 MHz Radio101 (ein Ableger des Senders im Raum Aachen). Versuche der österreichischen Post, des Senders oder der Radiomacher habhaft zu werden, wurden von Wachposten mit CB-Funkgeräten vereitelt. Lediglich einmal gelang es, den im Waldboden auf einem Berg vergrabenen Sender zu finden, da die Beamten in einem privaten PKW (ohne sichtbaren Peilantennen-Aufbau) den Berg hinauffuhren.

    Tschechoslowakei


    Am Ende des Prager Frühling marschierten 1968 etwa 500.000 Soldaten des Warschauer Pakts, vor allem der UdSSR, in der Tschechoslowakei ein. Tschechische Bürger improvisierten Piratensender, um ihre Mitbürger über den Einmarsch auf dem Laufenden zu halten. Es gelang den sowjetischen Besatzungstruppen nicht auf Anhieb, diese völlig auszuschalten.

    Außerhalb Europas


    Ungefähr zeitgleich zur Blütezeit der Seesender vor der englischen Küste in den 1960er Jahren sendete vor der neuseeländischen Küste bei Auckland Radio Hauraki. Der Sender avancierte schnell zur beliebtesten Radiostation des Landes, wurde jedoch von technischen Problemen und vom rauen Seegang geplagt. 1970 erhielt die Station eine Sendelizenz an Land und sendet unter demselben Namen bis zum heutigen Tag.

    Der 1987 unternommene Versuch, einen Seesender für New York unter dem Namen Radio New York International aufzubauen, scheiterte an dem harten Durchgreifen der Behörden schon nach wenigen Tagen.

    Piratensender heute

    Deutschland


    Durch die Vergabe von Sendelizenzen seit Ende der 1980er Jahre an Privatradios, an nichtkommerzielle Lokalradios bzw. Bürgerradios und Offene Kanäle sind Piratenradios seltener geworden. Hochburgen der Piratenkultur gibt es noch entlang der niederländischen Grenze, in Ostfriesland, im Ruhrgebiet, im Großraum Frankfurt und im Großraum Ulm.

    Es existieren auch deutsche Piratensender auf der Kurzwelle, diese nutzen meist stundenweise gemietete Sender in Ländern mit liberalerer Gesetzgebung. Durch die besonderen Eigenschaften der Kurzwelle sind diese in Deutschland zu empfangen. Obwohl die Studios sich in Deutschland befinden, wird formal kein deutsches Recht verletzt.

    Großbritannien


    Die zuständige Aufsichtsbehörde Ofcom (Office of Communications) erteilt bis dato keine durchgehenden Lizenzen für freie, nichtkommerzielle Sender wie Bürger- oder Uniradios: Sie dürfen maximal 28 Tage im Jahr auf geringer Leistung senden und tragen dafür noch vergleichsweise hohe Kosten. Einzige Ausnahme ist der Londoner Künstlersender Resonance FM. So ist die Piratensenderkultur hier noch sehr ausgeprägt, besonders in großen Ballungszentren.

    Seit Ende der 1980er Jahre haben insbesondere im Großraum London Sender wie Kiss FM (nicht mit dem Berliner oder Timișoaraer Sender gleichen Namens identisch), Kool FM, Rinse FM oder Rush FM die Entwicklung von elektronischen Musikstilen wie Jungle, Dubstep, Drum and Bass, Techno oder Speed Garage bekanntgemacht und eine eigene MC-Kultur hervorgebracht. Auch Sender ethnischer Minderheiten sind oft anzutreffen.

    Niederlande


    Eine Hochburg der Piratensender sind die Niederlande. Dort werden insbesondere an den Wochenenden eine unüberschaubare Anzahl Piratensender (nicht nur auf UKW, sondern auch auf Kurzwelle) überwiegend oberhalb des 49-Meter-Band, also ab 6220 kHz bis ca. 6350 kHz und im oberen Bereich des Mittelwellenbandes betrieben, welche auch weit entfernt von den Grenzen der Niederlande empfangen werden können. Gelegentlich sind auch Sendungen in deutscher Sprache zu hören.

    Auch in den angrenzenden Teilen Deutschlands gehen gelegentlich Piratensender auf Sendung. Es gibt einige Rundfunksender, die ihren Sendebetrieb aus einer etwas unklaren Rechtslage heraus gestartet hatten und später legalisiert wurden, wie fast alle niederländischen Privatsender, so zum Beispiel Radio 10 Gold, Keizerstad FM und Stadsradio Rotterdam. In Amsterdam gab es zahlreiche politische Piratensender, u. a. Radio Got.

    Weitere Länder


    In anderen Ländern teilen sich Piratensender oftmals in zwei verschiedene Klassen auf: politische Sender und kommerzielle Programme. Letztere bestehen meist nur kurze Zeit. Versteht man jedoch unter Piratensendern (also nicht landgestütztes Free Radio) – zur begrifflichen klaren Unterscheidung – lediglich die Sendestationen von Radioschiffen aus (Offshore Radio), so ist einschränkend zu erwähnen, dass nur Sendeaktivitäten vor der israelischen Küste längere Zeit bestand hatten, unter anderem die „Voice of Peace“, die sich vom gleichnamigen Sendeschiff aus für eine Verständigung zwischen Israel und den Arabern einsetzte.

    Ihr folgte als letzte außereuropäische Offshore-Station das Radio Arutz 2000. Das Schiff strandete im Januar des Jahres 2000, nachdem sich die Macher vier Jahre vorher nach dem Millennium-Jahr 2000 benannt hatten, so dass ein weiterer Sendebetrieb vom Schiff aus unmöglich wurde. Dennoch wurde unter dem Namen Radio 2000 kurze Zeit darauf der Sendebetrieb als landgestützter Schwarzsender wieder aufgenommen. Bis heute bestehen mehrere Internetseiten zur Promotion der Sendungen, und via Satellit erfolgen ebenfalls Ausstrahlungen. Ein Club ermöglicht zum Teil das finanzielle Überleben.

    Filme über Piratensender


    Das Thema Piratensender wurde auch im Kino verarbeitet: In einem Film aus dem Jahr 1982 spielen Mike Krüger und Thomas Gottschalk die Moderatoren des Piratensenders Powerplay, der sein Sendestudio in einem US-amerikanischen Van untergebracht hat. Zum Ende des Films gelangen die beiden Moderatoren als offizielle Sprecher in den ARD-Hörfunk – eine Geschichte, wie sie bei erfolgreichen Piratensendern teils auch wirklich geschah. Um einen illegalen Sender, den ein Jugendlicher betreibt, dreht sich auch der Film Hart auf Sendung (Pump Up The Volume, 1990), mit Pogo 1104 existierte in der ARD sogar eine eigene Jugendserie über das Thema. In Piratensender Dauerständer (Beate Uhse, 2003) sendet ein Piratensender Musik mit Gestöhne und hat damit großen Erfolg. Im April 2009 kam der Film Radio Rock Revolution, der die Geschichte des englischen Piratensenders Radio Caroline aus den 1960er Jahren aufgreift, in die deutschen Kinos.

    1984 wurde das Thema Piratensender in dem Fernseh-Vierteiler Pogo 1104 verarbeitet. Mitwirkende waren unter anderem Ralf Richter, Anja Schüte, Richy Müller und Erich Bar. Der Film erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen, „die sich nur ungern auf die Füße treten lassen“ und auf einem alten Kutter vor den Toren Hamburgs gegen alle Widrigkeiten wie Polizei, Behörden und knapper Kasse einen Piratensender aufbauen.

    Auch in der US-amerikanischen Teenie-Serie Parker Lewis (Folge: „Radio Free Flamingo“, 1990) wird das Thema aufgegriffen und insbesondere die Nützlichkeit eines Stimmenverzerrers demonstriert.

    Zu dem Thema gibt es auch zahlreiche Dokumentarfilme, unter anderem Jolly Roger, eine Dokumentation über Radio 24, und Radio 24 – Duell am Pizzo Groppera vom Schweizer Fernsehen, der am 5. März 1980 ausgestrahlt wurde. Das ZDF griff das Thema sogar für die Mainzelmännchen auf, die Ende der 1970er Jahre in mehreren Zeichentrickepisoden mit dem fiktiven Sender Nordlicht zu tun hatten.

    Technik


    Ein Tonbandgerät (oder vergleichbares Abspielgerät), ein Sender von 5 bis 25 Watt, eine Antenne und eine Batterie reichen aus, um eine illegale Radiostation zu betreiben. In der Hochzeit der illegalen Radiostationen in den 1970er Jahren (vor der Zulassung privater Hörfunksender und dem Entstehen des Internetradios) kostete die notwendige technische Ausstattung rund 600 Euro, fertige Anlagen aus Italien waren für 1500 Euro zu haben. Heutzutage lässt sich bereits für rund 60 Euro ein Sender aufbauen. Die Preise für eine brauchbare fertige Anlage beginnen bei etwa 180 Euro.

    Seit der Legalisierung von FM-Transmittern ist der technische Aufwand noch geringer: Man benötigt lediglich einen Leistungsverstärker, um die Leistung anzuheben und Modifikationen am FM-Transmitter, um das Ausgangssignal anzuzapfen.

    Das Internetradio mit der Übertragung mittels Streaming Audio ist für viele Interessenten eine einfache Alternative zum Betrieb eines Hochfrequenz-Radiosenders geworden.



    Schwarzsender



    Ein Schwarzsender ist eine illegal betriebene Sendeanlage, für die eine Genehmigung für den Sendebetrieb in dem betroffenen Hoheitsgebiet nicht besteht.


    Erscheinungsformen


    Schwarzsender klassifizieren sich in drei Gruppen. Dient ein Schwarzsender zur Verbreitung von Fernseh- oder Radioprogrammen bzw. von rundfunkähnlichen Darbietungen, so spricht man oft von Piratensendern. Diese wiederum unterscheiden sich in landbasiertes „Free Radio“ und auf hoher See ausgestrahltes „Offshore“-Radio.

    Zweitens Clandestine-Sender (Geheimsender): Die dritte und kleinste Gruppe betraf nur teilweise auch die von gegnerischen Staaten oder Exil-Regierungen betriebenen Propaganda-Stationen oder Sender im „Niemandsland“ zwischen zwei Staatsgrenzen. Öfter sind die „Clandestine-Sender“ sogar dem Einfluss von Geheimdiensten oder politischen Parteien oder Oppositionsgruppen oder bewaffneten Rebellen zuzuschreiben gewesen.

    Dritten Schwarzsender zur Nachrichtenübertragung von Privatpersonen.

    Abgrenzung


    Schwarzsender können in jedem Frequenzbereich, angefangen von den Längstwellen bis zum Mikrowellenbereich, beobachtet werden.

    Auch nicht zugelassene Sendegeräte für Funkfernsteuerungen stellen Schwarzsender dar. Ein Schwarzsender kann prinzipiell in jeder denkbaren Betriebsart senden.

    Oft handelt es sich heute aber auch bei den Betreibern eines Schwarzsenders um Jugendliche - in Unkenntnis der Bestimmungen und der möglichen Folgen. Deren Antennen und Sende-Endstufen sind meist auf geringe Reichweiten beschränkt und der zuständige Funkstör- bzw. Funkkontroll-Messdienst der Aufsichtsbehörde hat wenig Mühe, diese ruhigzustellen. Das oft einhergehende breitbandige Stören auch auf Neben- und Zwischenfrequenzen kann allerdings lebensgefährliche Folgen haben (Störung wichtiger Funkkanäle), deren sich die Bastler fahrlässigerweise oft nicht bewusst sind.

    Relativ selten kommt es bei Schwarzsendern zu einem Rufzeichenmissbrauch, also einer rechtlichen Schädigung des rechtmäßigen Lizenzinhabers.

    Auch der lange Zeit übliche „Agentenfunk“ in der Zeit des sogenannten „Kalten Krieges“ war eine Form von Schwarzsendebetrieb, dem mobile Funkpeiler von BND und Elektronischer Kampfführung der Bundeswehr, meist mit MAD-Beteiligung, beizukommen versuchten, allerdings mit mäßigem Erfolg. Heute sind Schwarzsender nur noch selten, da jeder im Internet seinen eigenen Sender ohne Lizenzprobleme betreiben kann, solange er sich an die GEMA-Bestimmungen bezüglich der Abgaben für lizenzpflichtige Musik hält.

    Es gibt weltweit eine große Zahl illegaler Funkstellen, die untereinander Kontakt aufnehmen, ohne, wie im Amateurfunk (oder CB-Funk), dafür eine Genehmigung zu besitzen. Dazu gehören Schwarzsender in Ländern mit mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten (z. B. Afrika) oder fehlender Funküberwachung durch Behörden. Typische Beispiele sind Hochseefischer, die die Gesprächskosten für Satellitentelefonie oder Kurzwellentelephonie scheuen, private Hochsee-Segler, Missionare in afrikanischen Ländern, aber auch einfach Funkbegeisterte ohne Sendeerlaubnis.

    Gesetze gegen Schwarzsender


    Das erste Gesetz gegen Schwarzsender wurde in Deutschland am 24. November 1937 erlassen (RGBl. Jahrg. 1937, Teil I, S. 1298). Es diente damals schon der Bekämpfung des politischen Widerstands, der die Rundfunk-Technologie zur Gegenpropaganda einsetzte. Auszug aus diesem Gesetz:

    • § 1 Strafandrohung:

      (1) Der Schwarzsender wird mit Zuchthaus bestraft.
      (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Gefängnis.

    • § 2 Schwarzsender ist:

      1. wer ohne vorherige Verleihung der Deutschen Reichspost eine Funksendeanlage errichtet oder betreibt;
      2. wer eine Verleihung der Deutschen Reichspost zum Errichten oder Betreiben einer Funkanlage hat, die Anlage aber zu Übermittlungen benutzt, die in der Verleihung der Deutschen Reichspost nicht erlaubt sind;
      3. wer eine Funkempfangsanlage entgegen ihrer Bestimmung unerlaubt zum Aussenden von Nachrichten, Zeichen, Bildern oder Tönen verwendet.


    Das Strafmaß ist prinzipiell unabhängig von der verwendeten Sendefrequenz. Es kann aber erhöht werden, wenn durch den Schwarzsender andere Funkdienste, wie z. B. Flugfunk-Frequenzen, Navigations-Sender oder Funktelefonie-Anlagen gestört werden.

    Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gesetz weiter verschärft und der Betrieb eines Schwarzsenders mit Landesverrat gleichgesetzt, für den die Todesstrafe drohte. 

    Störungsbeseitigung durch Funkentstördienste


    Störungen durch die unerlaubte Aussendung eines Sendesignals sind generell verboten. Sie werden in Deutschland durch die Bundesnetzagentur, den Nachfolger des früheren Funkentstördienstes, in der Regel auf Anfrage des Betroffenen ermittelt. Der Verursacher wird kostenpflichtig auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet oder die Störquelle wird beschlagnahmt. Es können dann zusätzlich weitere juristische Maßnahmen erfolgen.

    Bilder: CC0 
    Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar


    Zeitraum  ab 1920er Jahren
    Weitere Information finden Sie unter:
    Weitere Informationen : Piratensender in Ostfriesland Weitere Informationen verfuegbar Piratensender in Ostfriesland  

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