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    Deutschlands erstes transatlantisch....  112 von 436eine Seite zurückeine Seite vor

    Deutschlands erstes transatlantisches Kabel

    Zeitungsnachrichten zufolge soll jetzt die Verlegung eines solchen ernstlich in Aussicht genommen sein, und besteht nach diesen Quellen die Absicht, die Ausführung und Legung desselben englischen Unternehmern für den Preis von 20 Millionen Mark zu übertragen; auch soll das Kabel in England zuerst wieder auf festen Boden geführt werden.


    Ähnlichen Zeitungsnachrichten zufolge plant England, gewarnt durch die von allen Seiten drohenden Verwickelungen, eine Verbindung mit seinen Kolonien durch unterseeische Kabel, welche nur auf englischem Grund und Boden zu Tage treten.


    Betrachten wir nun unser Verhältnis zu England, welches – wohin wir auch blicken – mit Recht in Deutschland seinen Mächtigsten Mitbewerber auf dem Weltmarkt sieht – erst kürzlich am 23. Januar 1899 hat John Inglis, als Vorsitzender der Marine-Ingenieure, in seiner Eröffnungsansprache den deutschen Mitbewerb einer eingehenden Erörterung unterzogen (Engineering, 27. Januar 1899 S. 126) – und vergegenwärtigen wir uns ferner, mit wie neidischem und scheelem Auge England die kräftige Entwickelung der deutschen Flotte und der deutschen Schutzgebiete verfolgt, mit welchem Eifer es zum Schütze und im Verzweiflungskampf um seine mehr gebietende Stellung seine großen vorhandenen Geldmittel auf Vergrößerung seiner Kriegsflotte verwendet, so drängt sich uns unwillkürlich die Frage auf, ob Deutschlands Regierung etwas Törichteres tun könnte, als ein deutsches Kabel über englischen Boden führen.


    Denn es heißt doch tatsächlich eine Unternehmung, welche gerade im Augenblick feindlicher Verwickelungen von unberechenbar großer Bedeutung sein dürfte, und auf dessen Verfügbarkeit in solchem Falle unbedingt muss gerechnet werden können, über ein Land leiten, mit dem uns bis jetzt so gut wie gar keine gemeinsamen Interessen verbinden.


    England hat den deutschen Vetter nur dann gekannt, wenn es auf seinem breiten Rücken über irgend welche Fähigkeit hinweggetragen sein wollte, und hat sonst stets sein zweideutiges Spiel getrieben, nicht nur auf dem kaufmännischen Gebiete, sondern auch am grünen Tisch des Auswärtigen Amtes – es sei hier nur seines Verhaltens im 70er Kriege gedacht, welches durch Bismarcks Veröffentlichungen in frische Erinnerung gebracht |sein dürfte, sowie an sein neuestes Verhalten in der Samoafrage.


    Vielleicht gerade infolge eines geheimen Abkommens, wie ein solches zur Zeit bestehen soll, dürfte die Möglichkeit einer Verwickelung auf Grund der bisherigen Erfahrung näher gerückt sein – wie z.B. das Abkommen mit Österreich 1864 zum Kriege von 1866 führte.


    Eine solche Kabelverbindung soll ja gewiss in erster Linie der Förderung der Handelsbeziehungen dienen, aber gerade die Förderung der Handelsbeziehungen von Seiten der verschiedenen Völker zum Nachteil Englands, wenigstens nach seiner eigenen Meinung, wird über kurz oder lang England in einen Krieg treiben – mit welchem Erfolg ist eine andere Frage.


    Weshalb sollte nun der zur Zeit allerseits als mächtigste anerkannte Mitbewerber von irgend welchen feindlichen Angriffen ausgeschlossen sein? Etwa, weil Deutschland den Krieg nicht will, oder glaubt, ihn nicht führen zu können? Will sich Deutschland von aller Welt sagen lassen, es habe von England eine größere Demütigung hingenommen, als ihm seinerzeit von Frankreich zugemutet wurde?


    Wie wünschenswert eine stetige gute Beziehung zu England sowohl, als auch zu allen Völkern sein mag, ein Land, dessen Regierung die Erbschaft Friedrichs des Grossen angetreten, hat schließlich Überlieferungen zu berücksichtigen. die ihm gebieten, auch die ungünstigste Wendung der Dinge scharf und kühn ins Auge zu fassen und hei diesem ins Auge fassen dürfte die Brauchbarkeit der Führung eines deutschen Kabels über England doch stark in Frage kommen.


    Weshalb sollte sich das Kabel nicht durch den Kanal über Holland, mit dem wir doch ganz andersartige Beziehungen als mit England haben, oder um die Nordspitze Schottlands herum nach Nord-Schleswig führen lassen?


    Eine zweite Frage ist, weshalb soll ein deutsches Kabel von englischen Unternehmern ausgeführt werden und ein Wert von 20 Millionen Mark von Deutschland nach England fließen?
    Sind Deutschlands Ingenieure nicht imstande, diese Arbeit unter Gewähr ihrer dauernden Güte zu übernehmen, oder liefert England die Arbeit billiger?


    Das erste englische Kabel, was dauernd brauchbar blieb, wurde unter der Oberleitung des deutschen Ingenieurs Wilhelm Siemens (Bruder von Werner Siemens) gelegt. Ein anderes Kabel legte derselbe Ingenieur im Jahre 1874, nachdem in Woolwich bei London die eigenen Werkstätten von Gebrüder Siemens errichtet worden waren. Damals standen die meisten Kabelmaschinen unter freiem Himmel, nur mit einem Schutzdach versehen, Deutschland nennt dagegen heute ganz bedeutende Kabelfabriken sein eigen.


    Im Jahre 1884 bis 1886 wurden zwei vollständig getrennte Kabel mit je zwei getrennten Leitungsseelen, also im ganzen vier neue Linien von Gebrüder Siemens in Woolwich zwischen Halifax in Neuschottland und Irland gelegt und betrug der Preis 28630000 M.


    Der Engineering vom 24. Februar 1899 gibt die Höchstkosten des durch den Stillen Ozean über Vancouver in Canada, Fanning- und Fidschi-Inseln nach der Norfolk-Insel und von dort nach Queensland und Neuseeland zu legenden Kabels auf 37014500 M. an, einschließlich einer 3jährigen Unterhaltung.


    Diesen Preisen gegenüber ist jedenfalls der erwähnte Preis von 20 Millionen Mark für ein deutsches Kabel zwischen Nordamerika und England kein geringer.


    Es ist ja unbestreitbar eine große Menge Erfahrung auf dem Gebiete der unterseeischen Kabellegung in England angehäuft. Aber sollten Deutschlands Ingenieure nicht im Laufenden sein über den Stand der Kabeltechnik, sollten nicht deutsche Ingenieure, zur Zeit in England in der Kabeltechnik tätig, gerne wieder sich gemüßigt fühlen, im eigenen Vaterlande demselben Berufe nachzugehen?


    Bedeutende Vertrauenskräfte dürften wohl zur Genüge herangezogen werden können und untergeordnete Kräfte müssen auch in England aus aller Herren Länder zusammengetrommelt werden. Auch ungenügende Kenntnis des Meeresgrundes dürfte keinen Hinderungsgrund abgeben, denn keine englische Unternehmung würde sich weigern, das Kabel durch den Stillen Ozean zu legen, weil sie zuvor für die beabsichtigte Linie die Tiefenmessungen vornehmen müsste. Diese Arbeit wäre für unsere Schulschiffe der Kriegsmarine gewiss eine sehr dankenswerte Aufgabe.


    Bevor ein Wert von 20 Millionen Mark ganz außer Landes geht, sollten alle Möglichkeiten, denselben im Lande zu behalten, vergeblich, aber durchaus vergeblich versucht worden sein.

    Wie wird schließlich die Festsetzung des Wortpreises, welch letzterer entsprechend den heutigen Herstellungskosten 50 Pf. für ein Wort höchstens betragen dürfte, durch die Legung über England beeinflusst?
    In England steht heute noch der Wortpreis auf 2,50 M. und es entbrennt nach Legung eines neuen Kabels jedes Mal ein sogen. Kabelkrieg, in welchem die Vereinigung der bestehenden Kabelgesellschaften – ein „Ring“ – durch Unterbietung des Wortpreises die neue Unternehmung zum Eintritt in die Vereinigung zu zwingen sucht.


    So stand 1886 eine Zeitlang die Wortgebühr auf 25 Pf., anstatt 2,50 M., und endete damit, dass die neue Unternehmung, die „Commercial Cable Company“ – Inhaber Mackay und Bennett, letzterer Besitzer des New York Herold, nach Zugeständnis einiger Sonderrechte, so namentlich für den Herold, für dessen Sonderbenutzung die Kabel in erster Linie gedacht waren – in die Vereinigung aufging.


    Vorher hatte die neue Unternehmung angezeigt, dass sie bereit sei, den Wortpreis nie über 50 Pf. zu steigern, vorausgesetzt, dass die Benutzung ihrer Linien dementsprechend sei und die Kosten des Betriebes decken würden. Da aber der billigere Preis der Vereinigung die Benutzung auf die bestehenden Linien zog, so blieb der neuen Gesellschaft nichts übrig, als der Vereinigung beizutreten, wonach sofort die alte Wortgebühr von 2,50 M. wieder in Kraft trat.


    Für das neue Kabel durch den Stillen Ozean gibt der Engineering in dem schon erwähnten Bericht vom 24. Februar 1899 den Wortpreis London-Queensland-Neuseeland und Zwischenstellen zu 3 M., wobei gute Aussicht vorhanden sei, dass sich der Betrieb bereits innerhalb eines Jahres nach der Eröffnung lohnend gestalten werde.


    Nach deutschen Begriffen und Anschauungen soll eine Unternehmung, wie ein überseeisches Kabel, nicht sowohl gewinnbringend für einzelne, sei es Regierung oder Aktiengesellschaft, als vielmehr im Dienste der Gesamtheit arbeiten.


    Dieser Grundsatz hat sich übrigens auch für die Ertragsfähigkeit als der beste bewährt, wie in der 10 Pf-Gebühr des Brief Verkehrs, in der Mustersendung und den Paketsendungen auf dem Gebiete der Post, der 5 Pf-Wortgebühr für den Telegrammverkehr und der billigen Ferienreisegelegenheit im Bahnverkehr.


    Möge denn für das erste deutsche transatlantische Kabel, dessen Legung in hoffentlich nicht zu ferner Zeit zur Tatsache wird, an maßgebender Stelle der Gedanke der leitende sein, dass es zur Ehre und zum Segen unserer deutschen Industrie und unseres Handels wirke, die Beziehungen der Deutschen an aller Welt Orten fester knüpfen helfe, aus deutscher Arbeit hervorgehe und auf deutschem Boden unmittelbar sein Ende erreiche.

    Ursprung: Polytechnischen Journal 1899, Band 312/Miszelle 1 (S. 77–78)
    Text und Bilder sind unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar



    Zeitraum  1899

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