1902 *** Kurznachrichten ***
Zeitraum  1902
Zentralbatterie
  • ZB: Die ersten beiden reinen Zentralbatterie  Ämter (ZB) Mannheim und Ludwigshafen werden in Auftrag gegeben.

  • Siemens: Das erste ZB Amt mit Glühlampen in München nach der amerikanischen Art (Zwietusch) bewährte sich.
    Neues Zweiadriges ZB-Amt mit Springzeichen (Neustadt/Hardt). In diesem System hatten die Klinkenfelder eine Aufnahmefähigkeit bis zu 20.000 zweiteiligen Klinken gegenüber 10.000 Klinken dreiteiliger Ausführung.
    Siemens & Halske erwarb die Pupinspulenpatente und produzierte Pupinspulen. Michael Idvorsky Pupin (1858-1935) erfand Induktionsspulen zur Verminderung der Dämpfung in Telefonkabeln, bevor es Verstärker gab.

  • Pupinkabel: Das erste 14 paarige Pupinkabel zwischen Berlin und Potsdam mit einer Länge von 32,5 km wurde verlegt.

  • Pupin Freileitung: Die erste Freileitung mit Pupinspulen wurde zwischen Berlin und Magdeburg mit einer Länge von 150 km in Betrieb gesetzt.

  • Bestand in Deutschland:  
    - 11.271  Telegraphenanstalten mit Fernsprechbetrieb
    - 2.952  Ortsnetze
    - 291.835  Sprechstellen für Teilnehmer
    - 5.857  Fernleitungsverbindungen

  • 6. März: Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freisinnigen Partei genehmigt der Deutsche Reichstag die Forderung von 30.000 Mark für die Weiterführung der Telegrafenstrecke von Daressalam nach Tabora in der Kolonie Deutsch-Ostafrika (Tanganjika, Tansania).

  • 17. März: Kaiser Wilhelm II. ordnete die Ausrüstung deutscher Kriegsschiffe sowie deutscher Küstenstationen mit drahtloser Telegraphie nach dem Slaby-Arcoschen System an.


  • 17. November Italien: Zwischen den italienischen Städten Rom und Mailand wird die längste Telefonleitung (Fernleitung) in Europas fertig gestellt.

  • Belgien: das Ortsnetz in Brüssel mit circa 4.800 Teilnehmern wurde auf Zentralbatterien (ZB) umgestellt. In den nächsten Jahren wurden fast alle Ortsnetze auf ZB umgestellt.
    - 1904: Gent
    - 1905: Lüttich
    - 1908: Antwerpen
    - 1909: Charlerio

  • Polen: Eröffnung der Fernleitung Warschau Lodz.

  • Luxemburg 1. November: Eröffnung des Sprechverkehrs mit Deutschland durch die beiden Kabelstrecken
    Luxemburg Trier und Luxemburg Metz.

  • USA 16. Mai: Peter Cooper-Hewitt in Newark/New Jersey meldete den von ihm erfundenen Quecksilberdampf- Gleichrichter zum Patent an. Mit diesem Gleichrichter konnte war es möglich,  Wechsel- in Gleichstrom mit hohen Stromstärken umzuwandeln.

  • USA 26. Mai:  Almon B. Strowger starb mit 63 Jahren In St. Petersburg/Florida
    Er war der Erfinder des Grundprinzips der automatischen Telefonvermittlung.

  • USA 14. Oktober: Ein durchgeführter Versuch einer drahtlosen Telegraphenverbindung mit einem fahrenden Eisenbahnzug wird erfolgreich abgeschlossen.

  • 8. Dezember: 14.500 km langes Tiefseekabel
    Das von März bis Oktober ausgelegte 14.500 km lange Tiefseekabel durch die Südsee (Vancouver, Fidschi-Inseln, Norfolk-Inseln, Brisbane/Australien, Neuseeland) wird dem Verkehr übergeben. Die größte Tiefe im Meer beträgt  6.100 m


Bericht aus dem Polytechnischem Jornal 1902, Band 317 (S. 641642)

Entsprechen die telefonischen Einrichtungen den Verkehrsanforderungen?

Von Oberingenieur Conrad Hesse in Berlin.

Der vermehrte Verkehr und der Wettkampf der Völker brachte es mit sich, dass das Telefon zu einem der wichtigsten Verkehrsmittel angewachsen ist. Von dem Gebrauch des Telefons, innerhalb begrenzter Gebiete, den sehr umfangreichen Telefonanlagen industrieller Werke, in Bank- und Verwaltungsgebäuden, Bergwerken und auf landwirtschaftlichen Grundstücken sei hier noch ganz abgesehen, wiewohl auch diese Anlagen ihrer Eigenart entsprechend, eine besondere Ausgestaltung der Apparate und Schaltungsanordnungen bedingten. Die vermehrten, hochgespannte Ströme führenden Freileitungsanlagen und Straßenbahn Oberleitungen forderten, auch die Telefoneinrichtungen und Telefonapparate derart zu sichern, dass bei etwaigen Stromübergängen in die Schwachstromleitung die Gesundheit des Telefonierenden nicht gefährdet, die Telefonzentralen nicht gestört und die Baulichkeiten einer Beschädigung nicht ausgesetzt würden.


Doch alle diese Einrichtungen und Verbesserungen gehören mehr oder weniger in das Konstruktionsgebiet, dienten zur Sicherheit und haben eine Verkehrserleichterung wenig oder gar nicht herbeigeführt.
Anders verhält es sich schon mit den großen Vermittelungszentralen im Vielfach-Ort- und Fernverkehr und deren Konstruktion und Errichtung. Bei diesen kommt in Frage, wie hoch die Aufnahmefähigkeit ausgebildet und der betrieb vereinfacht und verbilligt werden kann. Hier werden höhere Anforderungen an den Konstrukteur und Erbauer gestellt und sind Gesichtspunkte maßgebend, die über den Rahmen der Konstruktion hinausgehen.

Erst in den achtziger Jahren wurden in Deutschland in den größeren Städten, voran Berlin, derartige Vielfachvermittelungszentralen errichtet, die aber, da die deutsche Industrie noch nicht auf ihrer jetzigen Höhe stand, von amerikanischen Firmen erbaut werden mussten.

Erst im Jahre 1893 gelang es als erster deutscher Firma nach mehrjähriger ernster Arbeit der Akt.-Ges. Mix & Genest in Berlin, die ersten Vermittlungsämter deutschen Fabrikats. deren Konstruktion und Installierung auszuführen mir vergönnt war, zu errichten.

Einige Jahre später folgte die Akt.-Ges. Siemens & Halske mit neuen Konstruktionen und Schaltungssystemen, nachdem zwischendurch die Berliner Firma Stock & Co. sich auch mit derartigen Einrichtungen befasst hatte.

Die Ausführung dieser großen Apparate und Einrichtungen erläuterte ich an dieser Stelle schon im Jahre 1896 und 1897 (D. p. J. Bd. 301, Heft 3 und 4, Bd. 303, Heft 1, S. 15 und Heft 7, S. 158) worauf hier verwiesen sei. Wie dort zu ersehen, trat zu jener Zeit das Bestreben auf, an Stelle der bis dahin gebräuchlichen Vielfachumschalter in Schrankform, solche in Tischform zu verwenden. Maßgebend war dabei, der gesteigerten Teilnehmerzahl entsprechend, eine größere Aufnahmefähigkeit der Einzelämter und bessere Ausnutzung der Klinkenfelder herbeizuführen, können doch die Tischumschalter von beiden Längsseiten bedient und damit, dem Schrankumschalter gegenüber, dasselbe Klinkenfeld von der doppelten Anzahl Anschlussklinken beherrscht werden. Diese Vorteile sind in ökonomischer Beziehung unstreitig sehr bedeutend. Dem gegenüber ist aber zu berücksichtigen, dass das Bedienungspersonal bei der gebeugten Stellung an dem Tischumschalter nicht nur mehr angestrengt, sondern auch an seiner Gesundheit geschädigt wird. So hat der Tischumschalter den älteren in Schrankform nicht zu verdrängen vermocht und wie sehr letzterer sich behauptet, beweist der Umstand, dass bei dem größten Einzelamt der Welt, welches die Stockholms Allmänna Telefon Akiebolag für den Anschluss von 30.000 Teilnehmern jetzt errichtet und zum Teil schon in Betrieb gesetzt hat, die Schrankumschalter Verwendung fanden. Um die Unterbringung dieser großen Anzahl Anschlussleitungen und Klinken in einem Vielfachamt zu ermöglichen, wurde, außer anderen zweckmäßigen Einrichtungen, die eingehend zu besichtigen ich kürzlich Gelegenheit hatte, der Schrankumschalter bei Verwendung wenig Raum beanspruchender Klinken durch vorteilhafte konstruktive Einteilung bestens ausgenutzt.

Die Errichtung möglichst großer Einzelämter hat den Vorteil, dass bei der Herstellung der Verbindungen nicht mehrere Ämter mitzuwirken haben, wodurch die Verbindung schneller erfolgen und vorzeitige Trennung und Störung eines Gespräches kaum geschehen kann, ferner der Ersparung von Personal. Bei ausgedehnten Orten wird allerdings dadurch eine Grenze, ob alle Teilnehmer an ein Amt angeschlossen werden, gezogen, dass die Anschlussleitungen unter Umständen zu lang und diese damit zu teuer würden. Die Anschlussleitungen, bezw. die übergroße Belastung der Dächer bilden überhaupt nur den erklärlichen Grund, wenn seitens der deutschen Reichspostverwaltung auf die Vermehrung der Fernsprechanschlüsse in großen Städten kein Wert gelegt und dieser sogar durch hohe Gebührenforderung gesteuert wird. Jetzt ist man schon durch Einführung der metallischen Rückleitung bei den Teilnehmeranschlüssen gezwungen, die Leitungen in Kabeln unterirdisch zu verlegen. Hierdurch ist auch das weitere Hindernis beseitigt, So tritt nun an die Verwaltung und den Konstrukteur und Fabrikanten gleichermaßen die Frage erneut heran, wie sind die Vermittelungsanstalten zur Aufnahme von wesentlich mehr Anschlüssen und schnellere Verbindung auszugestalten, und wie sind die Hausanschlüsse und Teilnehmerapparate zweckmässig1 einzurichten, denn hierin und in den zu entrichtenden Gebührensätzen liegen die Forderungen, welche heute an den Fernsprechverkehr gestellt werden.
Je mehr Anschlüsse in einem Ortsnetz vereinigt sind, umso vorteilhafter wird die Benutzung dem Teilnehmer und umso billiger der Betrieb. Um dem Einzelnen einen Fernsprechanschluss zu ermöglichen, müssen daher zunächst die Gebührensätze auf ein Minimum herabgesetzt werden, wenn auch der Reichspostverwaltung nicht zugemutet werden soll, gleich ihrer vorzüglichen eingerichteten schwedischen Kollegin (oder den schwedischen Telefongesellschaften), die für den Fernsprecher nur 5,6 Millionen einnimmt, aber 6,4 Millionen verausgabt, im Telefon verkehr mit einer Unterbilanz zu arbeiten. Gleichzeitig mit der Vermehrung und Verbilligung der Teilnehmeranschlüsse, sowie der schnelleren Verbindung bei Herstellung und der sofortigen, aber nicht vorzeitigen, Lösung eines beendeten Gespräches muss auch eine zweckmäßigere Einrichtung der Hausanschlüsse bezw. Teilnehmerapparate eintreten. Dies darf um so mehr gefordert werden, als hierdurch niemandem ein Nachteil, dem Teilnehmer aber ein großer Vorteil entsteht, und somit zur weiteren Ausdehnung des Fernsprechnetzes nur beitragen kann. Auch hierin können die schwedischen Einrichtungen uns in vielem als Vorbild dienen.

Wie zeitraubend und auch umständlich ist es für den Vielbeschäftigten zum Telefonieren sich an den oft weit entfernten Apparat zu begeben. Auch die als Nebenstellen in Deutschland wohl schon eingeführten Tischapparate erfüllen, abgesehen davon, dass noch eine besondere Gebühr dafür erhoben wird, ihren Zweck nicht ganz, denn der Teilnehmer wird nicht immer denselben Tischplatz beibehalten. Die Vorschläge gehen deshalb, auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten, dahin, dass die Fernsprechverwaltungen die Anschlussleitungen auf Antrag des Teilnehmers nur bis in das betreffende Gebäude oder die betreffende Wohnung einführen und dem Teilnehmer gestatten, die Innenleitung auf seine Kosten von einem von der Behörde konzessionierten Privatinstallateur, ausführen zu lassen. Die Ausführung der Innenleitung durch Privatinstallateure wird damit begründet, dass die Postverwaltung das hierzu mehr benötigte Personal nicht wird ständig halten wollen, wie auch die Inneninstallation durch die Verwaltung teurer wie im freien Wettbewerb werden dürfte.

Die Inneninstallation wird dann nach den Wünschen des Teilnehmers derart gemacht, dass die Leitung durch alle in Frage kommenden Räume geführt und hier an mehreren beim Telefonieren eventuell verwendeten Stellen abgezweigt wird und in einer Rosette endigt.

Die Postverwaltung liefert dem Teilnehmer außer einem etwa verlangten Wandapparat einen (oder mehrere) transportable Apparate mit Mikrotelefon und Leitungsschnur, welche in einem Stöpsel endigt, der beliebig in eine der Wandrosetten der Ortsanschlussleitung eingesteckt werden kann, je nach dem Platz, welchen der Teilnehmer gerade einnimmt. Für das ankommende Rufzeichen dient eine besondere Signalglocke.

Die Apparate zu liefern, müsste sich die Verwaltung allerdings zur Bedingung machen, um zu verhüten, dass minderwertige Fabrikate an ihr Netz angeschlossen werden. Ein Missbrauch durch Verwendung nicht von der Verwaltung gelieferter Apparate kann u.a. dadurch vermieden werden, dass der Kauf oder die Miete solcher Apparate möglichst niedrig bemessen wird, wozu die Verwaltung durch Masseneinkauf der Apparate in der Lage ist. Sonst werden auch noch andere Mittel und Wege oder Einrichtungen an den Apparaten zu finden sein, diejenigen, welche gegen diese Bedingung verstoßen zu ermitteln. Außer der Apparatmiete würden von der Verwaltung eine einmalige kleine Gebühr für die Anschlussinstallation und dann fortlaufende Gebühren für die Benutzung des Anschlusses zu erheben sein. Letztere wären dann, in Rücksicht auf die eventuell von einem Privatinstallateur auf Kosten des Teilnehmers ausgeführte Inneninstallation, bzw. die von der Verwaltung einmalig zu erhebende Gebühr der Anschlussinstallation, im Gegensatz zur jetzigen Berechnungsweise niedriger zu bemessen. Solche Verteilung der Kosten rechtfertigt sich dadurch, dass dem Teilnehmer, welcher seinen Anschluss lange besitzt, geringe, dem, der oft wechselt, größere Kosten entstehen und der Verwaltung durch öfteren Wechsel manche Unkosten erspart werden. Durch solche Maßnahmen und Anordnungen würde nicht nur dem Bedürfnis nach größerer Ausdehnung des Fernsprechnetzes und zweckmäßigerer Einrichtung der Hausanschlüsse Rechnung getragen, sondern auch der Industrie ein neuer Erwerbszweig erschlossen, der gleichermaßen zum Nutzen aller Beteiligten ist.

Eine weitere Aufmerksamkeit würde denjenigen Teilnehmern zuzuwenden sein, welche den Fernsprecher wenig benutzen. Diese wenig benutzten, aber besonderen Anschlüsse überlasten sowohl die Tragfähigkeit der Dächer oder vorhandenen Kabel und die Ämter in unzweckmäßiger Weise, als auch die Gebühren auf das Einzelgespräch berechnet, dem Teilnehmer eine zu hohe oder unerschwingliche Ausgabe bilden werden. Die vorgeschlagenen Einrichtungen, mehrere Teilnehmer eines Gebäudes auf eine gemeinsame Amtsanschlußleitung zu vereinigen (West, Elektr. Zeitschrift 1897, Heft 6 und 46) haben sich leider kaum über einen Versuch erhoben, trotzdem solche Einrichtungen sehr zweckmäßig erscheinen. Auch hier müsste, sei es nun mit automatisch wirkenden Anschlussapparaten oder bei Vorhandensein einer Bedienungsperson (Portier) mit einem kleinen Zentralumschalter, an welchen die einzelnen Mieter des Gebäudes angeschlossen sind, ein ernstlicher Fortschritt gemacht werden. Es sei dabei dahin gestellt, wie weit die bereits vorgeschlagenen Einrichtungen dieser Art den technischen Anforderungen genügen oder von dem Konstrukteur noch zu ergänzen und zu vervollkommnen sind.
Conr. Hesse.

Weitere Information finden Sie unter:
  • Bespulte Leitung mit Pupinspulen   
  • Pupinspulen