1892 ***Kurznachrichten ***
Zeitraum  1892
Werner von Siemens
  • 6. Dezember: Ernst Werner Siemens, stirbt in Berlin.
    Er hat im Telegrafen- und Fernsprechwesen viele Erfindungen gemacht.
    Er war ein Gelehrter und erfindungsreicher Techniker zugleich. (Bild rechts)


    Am 12. Oktober 1847 gründete er mit dem Mechaniker Johann Georg Halske in Berlin die Telegrafenbau Anstalt von Siemens. Die Verbindung von Siemens und Halske war ein seltener Glückfall in der Technikgeschichte.  Sie ergänzten sich vorbildlich. Siemens hatte das Wissen und die Ideen und Halske konstruierte die vielen Kleinigkeiten um aus den Erfindungen nutzbare Geräte herzustellen.

  • Das Gesetz über das Telegrafenwesen des Deutschen Reiches wird erlassen.
    Das Recht, Telegrafenanlagen und Fernsprechanlagen für die Übermittlung von Nachrichten zu errichten und zu betreiben, steht ausschließlich dem Deutschen Reiche zu. Benachbarte Starkstromanlagen sind so zu gestalten, dass sie den Betrieb nicht stören.

  • Berlin: Es waren 7 Vermittlungsstellen mit 25.430 Sprechstellen vorhanden. Diese hatten mit 260 Orten eine Verbindung.

  • Köln: Es waren 20 Fernleitungen vorhanden, Mit 40 Klappenschränken wurden 2.000 Telnehmer bedient.

  • Bayern: Der Fernsprechverkehr (Grenzverkehr) mit der Schweiz wurde eröffnet.

  • Erster Zonentarif: Die zunehmende Verbreiterung des Fernverkehrs lies zwei Entfernungszonen entstehen. Eine Nahzone bis 30 km (50 Pf / 3 Min) und eine Fernzone über 30 km (100 Pf / 3 Minuten)

  • Frankreich 8. Juni: Fernleitung  Brüssel – Bordeaux wurde eröffnet.

  • Österreich: Fernleitung Wien – Graz - Triest geht in Betrieb

    Verstaatlichung der "Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft", zugleich Schaffung einheitlicher Normen.

    Unter Mitarbeit von: Siemens & Halske, Teirich & Leopolder (in Siemens aufgegangen), Czeija & Nissl (heute ITT), Kapsch, Deckert & Homolka (heute Schrack).

    Die erste telefonische Akustikübertragung mit Kopfhörern wurde durchgeführt


  • Großbritannien: Beschluss der Regierung, die Fernsprechleitungen in der Zukunft selbst zu betreiben. Die bestehenden Leitungen sollten aufgekauft werden und neue Leitungen errichtet werden.

  • Großbritannien 28. Juni: Die Mittel für den Ankauf wurden per Gesetz bereitgestellt, die Übernahme war am 6.2.1893 beendet.

  • Italien: Bis in das Jahr 1907 wurden insgesamt 7 Gesetze beraten. Ein Gesetz davon war im Jahr 1892, das der Staat das Recht auf die Einrichtung eigener Ortsnetz hat..

  • Belgien: Der Staat teilt allen Konzessionären mit, dass der Staat ab dem 1. Januar 1893 mit dem Rückkauf der Ortsnetze beginnen werde, die seit dem Jahr 1883 bestehen.
    Von dieser Auflage waren alle großen Netze betroffen. Der Staat kaufte aber auch die kleineren Ortsnetze nach der Laufzeit von 10 Jahren auf.

  • Rumänien: Durch ein Gesetz wird der Fernsprecher zu einer Einrichtung für den allgemeinen Gebrauch erklärt.

  • Bulgarien: Die erste Fernleitung wird nach Sofia gebaut
    es folgen weitere Fernleitungen:
    1895: Fernleitung Rustschuk  - Sofia
    1898: Fernleitung Rustschuk – Warna
    1904: Fernleitung Rustschuk – Sistowo
    1907: Fernleitung Plovdiv – Stara Zagora
    1907: Kasanlik – Stara Zagora
    1907: Gorna Iriechowitza – Tirnowo
    1908: Fernleitung Plewna – Sofia
    1908: Burgas – Stara Zagora

  • Luxemburg: In Luxemburg gibt es schon mehr als 1.000 Teilnehmer.

  • USA: Edison erhält ein Patent für ein Mikrofon mit Metallmembran und Kontakt-Graphitscheibe.

  • 11. Juli New York: Cyrus West Field starb im Alter von 73 Jahren In Ardsley (New York, USA)
    Mit großer Energie kämpfte um die Erstellung des ersten transatlantischen Telegraphen-Kabel, die im Jahr 1866 für zustande kam. Er war auch beim Bau der Unterseekabellinie von San Francisco nach den Sandwich-Inseln beteiligt..


In der Sitzung des Elektrotechnischen Vereins in Berlin am 27. Oktober 1892 hat der Vorsitzende u.a. auch Mittheilungen über die derzeitige Ausdehnung der Telegraphen- und Telephonanlagen in Deutschland gemacht.

Das Telegraphennetz im Deutschen Reiche einschliesslich Bayern und Württemberg umfasste:

1890

1891

Beschreibung

98.391

108.536

km Linie mit

334.083

367.438

km Leitung;

17.200

18.121

Betriebsstellen, darunter

6.475

Stellen mit Telephonbetrieb:

6.329

km Landkabel mit

42.908

km Leitung,

3.504

km Seekabel mit

7.337

km Leitung.

Die Telephonanlagen im Reichstelegraphengebiete enthielten:

1890

1891

Beschreibung

223

275

Städte mit allgemeinen Telephon-anlagen, worin

50.508

58.500

Sprechstellen:

7.000

9.100

km Linien mit

79.800

8.700

km Leitung.

Die Zahl der Sprechstellen ist in Berlin auf 16.300 angewachsen; Hamburg hat 2.400, Leipzig 2.250. Die Gesammtzahl der täglichen Gespräche beläuft sich auf 640.200, in Berlin allein auf 238.870. 292 Anlagen mit 21.000 km Leitung aus Bronzedraht dienen zur Verbindung verschiedener Stadt-Telephonanlagen unter einander.

Die 8 Bezirkstelephonnetze zählten 4.204 Sprechstellen und hatten 8.307 km Anschlussleitungen und 5.200 km Verbindungsleitungen. Die Verwendung des Bronzedrahtes hat sich zufolge der damit gemachten günstigen Erfahrungen im Reichstelegraphengebiete auf 59.621 km erweitert, wovon 56.931 km auf Telephoneinrichtungen und Verbindungsleitungen und 2.690 auf Telegraphenanlagen für den allgemeinen Verkehr entfallen.

Der Vortrag ist vollständig abgedruckt im Archiv für Post und Telegraphie 1891. S. 733.
Ursprung: Polytechnisches Journal 1892, Band 283/Miszelle 2 (S. 92)
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