1884 *** Kurznachrichten ***
Zeitraum  1884
Bavaria München
  • 10. Oktober München: Der Fernsprechnachtdienst wird eingeführt. In Berlin wird der Nachtdienst erst viel später eingeführt.

  • Werner von Siemens: Er entwickelt ein Telefon mit Induktionskurbel zum Anläuten. Durch Drehen an der Kurbel wird ein Stromstoß induziert, der im Vermittlungsamt dem Telefonfräulein anzeigt, dass ein Gespräch gewünscht ist – indem eine Klappe, die den Namen des Anrufers trägt, fällt. Der Anrufer wird mit dem Angerufenen durch eine sog. Stöpsel Schnur (ein Kabel) verbunden.

  • Bern: Das Fernsprechamt ermahnt seine Teilnehmer das Fernsprechamt nicht unnötig in Anspruch zu nehmen.

  • Cannstatt: Eröffnung des Fernsprechamtes mit 4 Teilnehmern. Es bestehen auch gegenseitige Verbindungsmöglichkeiten nach Stuttgart.

  • Köln: die ersten Fernsprechverbindungen außerhalb Köln werden angeschaltet. Es bestehen Verbindungsmöglichkeiten nach Düsseldorf und Bonn.

  • Gebührenermäßigung:  die jährliche Gebühr für einen Hauptanschluss wird von 200 Mark auf 150 Mark herabgesetzt.

  • London: In der Anfangszeit wurden die Tätigkeiten der Privatgesellschaften auf eine bestimmte Zeit beschränkt, diese Auflage fiel im Jahr 1884.

  • Frankreich: die Konzession von Société Générale wird um 5 Jahre mit neuen Bedingungen verlängert.

  • Belgien 20. Oktober: Erste Fernleitung von Brüssel nach Antwerpen wird eröffnet. 

  • Tschechoslowakei: Es kommt durch eine Konzession ein Ortsnetz in Brünn dazu. Diese Ortsnetze bleiben bis zum Jahr 1902 in privater Hand.

  • Rumänien: Der Staat baut die ersten Fernsprechanlangen für den dienstlichen Verkehr auf. 

  • Niederlande: Folgende Städte erhalten einen Fernsprechanschluss.
    * 1984 21. Februar: Utrecht
    * 1884 20. Juni: Zaandam
    * 1884 5. August: Harlem
    * 1884 16. September: Rotterdam
    * 1884 17. September: Dordrecht

  • USA: Patenterteilung an Barnard für einen Hörer mit Mikrofon an einem Kopfbügel.

  • Zeit: Auf einer internationalen Konferenz wurde die Zeit genormt. Es wurden die Zeitzonen eingeführt.


Bericht aus dem Polytechnischen Journal1884, Band 253/Miszelle 8 (S. 302)

Fernsprechen ohne eigentliches Telephon.

J. W. Giltay in Delft beschreibt im Telegraphic Journal, 1884 Bd. 14 S. 276 einen überraschenden Versuch, nach welchem der menschliche Körper selbst unter geeigneten Umständen als Telefonempfänger auftreten kann. Von den Klemmschrauben der sekundären Rolle eines Aderschen Mikrofones, dessen primäre Rolle in den Stromkreis dreier Bunsen'scher Elemente eingeschaltet war, führten zwei Drahte in ein anderes Zimmer.

In einem dieser Drähte war eine Batterie von 12 Leclanchéschen Elementen eingeschaltet. Wurden nun die Drähte von 2 Personen mit der rechten Hand ergriffen und legte die eine, welche den von der Leclanché-Batterie kommenden Draht in der rechten Hand hielt, ihre linke, behandschuhte Faust auf das Ohr der anderen Person, so konnte diese deutlich hören, was in dem anderen Zimmer dem Mikrofone vorgepfiffen wurde. Mit dem Singen ging es auch noch, mit dem Sprechen indes kaum. Giltay glaubt aber, das bei entsprechend vollkommenerer Anordnung des Versuches auch gesprochene Worte deutlich verstanden werden.

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