1881 *** Kurznachrichten ***
Zeitraum  1881
Erstes Fernsprechnetze in Berlin mit 8 TeilnehmerInland
  • 12. Januar: Die erste Vermittlungsanlage in Deutschland wurde eingerichtet. Berlin startete mit 8 Teilnehmern in der Französische Straße als Versuchsbetrieb. (siehe rechtes Bild)

  • 24. Januar: Eröffnung der Fernsprechanlage in Mühlhausen (Elsaß) mit ca. 70 Teilnehmeranschlüssen. Am Eröffnungstag wurden 159 Gespräche vermittelt.

  • 12. Februar: Stephan erwirkt durch den Reichskanzler Bismarck, das alle Stadtfernsprechanlage vom Reich hergestellt werden sollen. Konzessionen sollen nicht erteilt werden.

  • 1. April: Die Stadtfernsprechanlage Berlin mit 48 Teilnehmern wird endgültig dem Verkehr übergeben.

  • Berlin 26. Juni: Generalpostmeister Heinrich Stephan meldet  die Vollendung des Reichstelegraphen- Untergrundkabelnetzes. Es war seit  ab dem Jahr 1877 mit einer Länge von 5.460 Km von den Firmen Feiten & Guilleaume, Köln, und Siemens & Halske, Berlin, erstellt worden.

  • 5. Dez: Geburt von Max Langer in Berlin.
    Er beschäftigte er sich mit der der Fernsprechnetztechnik zur Überbrückung von weiten Entfernungen. An der Konstruktion der Fernsprech-Automaten zur Erfassung der Gebühren nach Zeit und Zone (Zeitzonenzähler) hat er maßgeblichen Anteil geleistet. Er hat in Zusammenarbeit mit Siemens und der Reichspost, die Fernwahl-Netzgruppe Weilheim/Oberbayern 1923 eingerichtet.


  • Hamburg, Frankfurt am Main, Breslau, Köln und Mannheim erhielten Fernsprechnetze.

  • Trossingen in Württemberg erhielt einen Fernsprecher zur Übermittlung von Telegrammen.

  • Eröffnung von Fernsprechämtern in Paris, Stockholm, Wien, Italien und in der Schweiz.

  • Das Vielfach bei der Handvermittlung wurde zum erstmals angewendet.

  • Berlin: Das erste Telefonbuch mit insgesamt 187 Einträgen erscheint. Eine beigefügte Gebrauchsanleitung erklärt den Umgang mit dem Fernsprecher.

  • Gebühren: Die Pauschal Gebühr beträgt 200 Mark pro Jahr für einen Hauptanschluss.

Ausland:


  • Schweiz 1. August: Basel erhält ein Fernsprechamt mit 55 Teilnehmern.

  • USA: In der USA hat nur noch eine Stadt mit über 15.000 Einwohnern kein Fernmeldenetz.

  • USA 24.Mai:
    Alexander Graham Bell erhält das USA-Patent Nr: 241909 für einen Lichtton-Empfänger für fernmündliche Übertragung. Die dem Patent beigegebenen Zeichnungen zum Photophonic Receiver lassen erkennen, dass diese Erfindung ein Vorläufer für die heutigen Lichtwellenleiter war.

  • Frankreich:
    Internationale Ausstellung für Elektrizität in Paris: Vier Räume sind für die Vorführung des Fernsprechers eingerichtet. Das Theatrophon wird mit zwei Hörern für ein perfektes Hören durchgeführt. Die Übertragung findet aus dem mehrere Kilometer entfernten Opernhaus statt Es werden den Besuchern Wandapparate zur Verfügung gestellt. Der Tischapparat wurde erst später eingeführt.

    In Paris findet ein erster Elektriker-Kongress statt, auf dem auf Vorschlag von Gauß und Weber die Einheiten Volt, Ampere, Ohm, Farad und Coulomb festgelegt werden.

    Paris hat 7 Vermittlungsstellen mit mehr als 300 Teilnehmern. Im gleichen Jahr wurden neue Netze in Lyon, St-Etienne und Angouleme eröffnet.

  • Österreich 1. Dezember:
    Eröffnung der ersten Handvermittlung in Wien im ersten Bezirk  Friedrichstraße 6. Die österreichische Öffentlichkeit verhielt sich gegenüber dem neuen Medium noch sehr zurückhaltend.
    Am Ende des Jahres 1881 betrug die Anzahl der Telefonabonnenten 154. Zu den Teilnehmern gehörten fast alle großen Firmen, Banken und Zeitungen.


    Eine Woche nachdem das Wiener Telefonnetz in Betrieb gesetzt wurde, kam es am 8. Dezember 1881 zu einer Brandkatastrophe. Das Ringtheater brannte. Obwohl das Theater zum Kreis der Telefonabonnenten gehörte, konnte niemand per Telefon Hilfe herbeirufen. Die Polizei und auch die Feuerwehr besaßen noch kein Telefon.

  • Schweiz: Ende des Jahres hatte das Leitungsnetz eine Länge von 288 km und bediente 386 Abonnenten (Teilnehmer).

  • Schweiz 1.August:
    Eröffnung Stadtnetz in Basel. Dieses wurde von der Telegrafenverwaltung gebaut. Am Ende des Jahres waren an dieses Netz 181 Teilnehmer angeschlossen.

  • Schweiz  20. September:
    Eröffnung Stadtnetz in Bern mit 144 Teilnehmern.
    Die Bedienung der wird von drei Telefonistinnen durchgeführt. Das Gehalt einer Telefonistin beträgt 80 Franken pro Monat. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 8-10 Stunden. (Es gibt einen Freisonntag innerhalb von 3 Wochen).

  • Schweiz :
    Übertragung der Oper über das Telefon. Clément Aders «Theatrophon» wird anlässlich der Weltausstellung installiert und ermöglicht die Übertragung von Konzerten aus dem Opernhaus. Die Besucher können die Aufführung in der Oper über zwei Fernhörer in zwei Kilometer Entfernung live mithören.
     

  • Ungarn: 1 Mai:
    Das erste Ortsnetz wird in Budapest eröffnet. Im folgenden Jahr sind bereits 291 Teilnehmer angeschlossen.

  • London:
    Das Post Office wünschte ebenfalls eine Beteiligung am Fernsprechwesen und eröffnete seine eigene Vermittlungsstelle.

  • Italien 1. April:
    Die Telegrafenverwaltung wurde ermächtigt, für den Fernsprechdienst innerhalb der Städte und den Vororten Konzessionen auszugeben. 

  • Italien:
    Die erste Konzession ging noch im gleichen Jahr an die American Bell Telephon Company. Sie errichteten in Rom und Mailand jeweils ein Ortsnetz und starteten mit insgesamt 118 Teilnehmern.
    Auch andere Gesellschaften errichten in Genua, Neapel und Turin neue Fernsprechnetze.

    Inbetriebnahme der Fernleitung zwischen Rom und Tivoli als Versuchsleitung. Sie stellte aber praktisch den Beginn des Fernverkehrs dar.

  • Schweden 1.September:
    Eröffnung des ersten staatlichen Fernsprechnetzes. Am Ende des Jahres waren 32 Teilnehmer angeschlossen.

    Es entstanden in dieser Zeit viele Privatgesellschaften. Es wurden überall Netze eingerichtet. Diese Netze waren technisch ganz unterschiedlich aufgebaut und hatten keine Verbindung untereinander.

  • Niederlande 15. Februar:
    Bau einer Leitung zwischen De Cocksdorp – Den Burg – Vlieland . Der Fernsprecher diente als Zubringer von Telegrammen zum Telegrafenamt.

  • Niederlande Juni:
    Das erste Ortsnetz in Amsterdam wird eröffnet. Im folgenden Monat Juli waren bereits 190 Teilnehmer angeschlossen.

  • Belgien 14. März:
    Aus den 3 Konzessionen in Brüssel wird im Zusammenschluss die Compagnie Belge du Téléphone Bell gegründet. In weiteren Städten entstehen dadurch neue Ortsnetze.

  • Belgien:
    Die Regierung verzichtet auf das Alleinrecht bei den Netzen und veröffentlicht die Bedingungen für Konzessionen mit einer Laufzeit von 25 Jahren. Das Parlament stimmte nicht zu, die Regierung musste nachbessern und legte 1882 einen neuen Gesetzentwurf vor.

  • Sowjetunion:
    Vergabe der ersten Konzession an die International Bell Telephone Company mit einer Laufzeit von 20 Jahren.
    Die Konzession umfasst die Orte Moskau, St. Petersburg, Odessa, Riga und Warschau. Von diesen Ortsnetzen gehen im Jahr 1882 vier in Betrieb. Das Netz in Warschau geht erst im Jahr 1883 in Betrieb.


Bericht aus dem Polytechnischen Journal 1883, Band 247 (S. 136–138)

Das Internationale Bureau der Telegraphen-Verwaltungen hat auf Grund der ihm zugegangenen amtlichen Ausweise im Journal télégraphique, 1882 Bd. 6 Nr. 11 einen Überblick über den Bestand der Telegraphenanlagen der verschiedenen Staaten im Jahr 1881 veröffentlicht.

Wir entnehmen demselben die nachfolgenden Zahlen, indem wir aus derselben Quelle zugleich die früher veröffentlichten, auf das Jahr 1880 bezüglichen Angaben in der nachfolgenden Tabelle über die für 1881 geltenden setzen.

Leider sind die mitgeteilten Zahlen nicht in allen Ländern in ganz genau übereinstimmender Weise gewonnen, wie namentlich aus den angefügten Bemerkungen hervorgeht, welche sich (mit Ausnahme der beiden Letzt aufgeführten) auf die Angaben für das Jahr 1881 beziehen.

 Tabelle Bestand

Staat

Linien-
länge
km

Draht-
länge
km

Ämter

Appa-
rate

Telegramme

Einwohner

Fläche
qkm

Deutschland

70827

255859

10021

12849

16312457

45198401

539358

72577

260790

10308

13662

17507099

45234061

538425

Oesterreich

35057

91712

2554

1901

5743299

22130648

300234

35546

92764

2604

1928

6238078

22144244

299984

Ungarn

14570

52227

996

1420

2986022

15417327

322350

15290

54853

1069

1495

3182324

15442102

322350

Belgien

5608

26153

772

1344

6177042

5536654

29456

5940

27922

827

1410

6861985

5536654

29456

Bulgarien

2094

3062

32

67

219814

1998060

62021

2408

3400

37

89

279635

1998060

62021

Dänemark

3528

9345

281

290

1136551

1980675

39375

3530

9341

287

285

1210246

1980675

39375

Frankr. mit Corsika

69030

200421

5476

8370

19882628

36901788

528401

„ „ „

70277

215136

5885

7520

24325358

37321186

528572

Groſsbrit. u. Irland

42347

194773

5433

12947

29820445

34468552

314969

„ „ „

42961

204042

5600

14091

32085537

35246562

314969

Griechenland

3573

4580

88

157

404745

1679765

50211

4417

5652

100

176

526997

293846

60307

Italien

26289

85908

2324

2534

6511497

28209620

296306

27055

89325

2470

2646

6806006

28209620

296306

Luxemburg

310

536

63

71544

205000

2587

310

536

64

38

83723

209570

2587

Niederlande

3821

13817

396

462

3109230

4060578

33000

3943

14373

418

482

3281792

4114077

32996

Norwegen

8679

15975

249

452

876986

1870000

318195

8694

16014

260

422

963549

1900000

318195

Portugal (1880)

4369

10889

196

323

714753

4290899

90175

Rumänien

5210

8281

203

465

938040

5040000

160150

5311

8671

206

494

1150188

5040000

160150

Russland (1880)

94533

215254

2621

5716

7289552

89723823

22216048

Serbien

2181

3136

62

90

210409

1701000

48680

2191

3136

60

87

247598

1750000

48680

Schweden

11520

29440

784

1411

1151819

4567300

441620

11877

30017

788

1441

1288603

4572245

441620

Schweiz

6556

16018

1108

1478

2842340

2831787

41418

6626

16174

1139

1645

3129989

2831787

41418

Spanien

16474

40978

365

752

2202429

16858635

507236

16667

42315

385

786

2523545

16859635

507236

Indo-europäische
Linie (1880)


3528


9276


23


57


53766



Britisch-Indien
(1880)


32554


89740


1437


850


1743512


240597443


4124288

Niederland.-Indien

5862

7413

80

135

404925

23204019

1583000

„ „

5880

7492

83

138

413564

24721976

1583000

Japan

7527

17135

221

408

1935320

35925313

430500

7396

19426

251

455

2223214

36358994

374839

Victoria

5209

9807

284

507

1170415

867078

228492

5390

10664

304

514

1293917

867078

228492

Neuseeland

6220

15428

227

495

1329204

484864

160932

6325

15533

244

511

1470112

504950

160932

Ägypten

8339

13699

164

329

514384

5517627

1021354

8645

14005

170

335

549512

5517627

1021354

Algier und Tunis
(1881)


6977


14001


183


485


1531144


3452831


157948

Western-Union-Co.

177537

526418

10737

32500000

38855137

7838300

„ „ „

209696

598988

12068

38842247

50408804

7838300


Die in der 4. Spalte angegebenen Telegraphenapparate sind in der weit überwiegenden Mehrzahl Morse-Schreibtelegraphen; neben diesen arbeiten Typendrucker von Hughes in ziemlich erheblicher Zahl, außerdem vereinzelt noch Zeigertelegraphen und Nadeltelegraphen. Telephone sind in sehr großer Zahl in Deutschland in Benutzung, in ziemlicher Anzahl auch in Japan.
Bemerkungen zur vorstehenden Tabelle.

  • Deutschland (einschließlich Bayern und Württemberg) besaß im Jah 1881 an Staatstelegraphenleitungen 72.577 km mit 260.790 km Drahtlänge, dazu 13.084 km Eisenbahn- und sonstige Privatlinien mit einer Drahtlänge von 52.235 km.
    Die Zahl der Staatstelegraphenanstalten belief sich auf 7.366; die Eisenbahnen und andere Private besaßen noch 2.942 dem Privatverkehr geöffnete Telegraphenanstalten. Es entfiel eine Telegraphenanstalt auf 52 qkm, oder auf 4.388 Einwohner.
    Die Zahl der aufgelieferten Telegramme betrug 14.535.105, so das also auf je 1.000 Einwohner 321 Telegramme kommen.
    Ende 1881 bestanden im Bereiche des Reichs-Postamtes 1.278 Telegraphenstationen, deren alleinige telegraphische Verbindung mit den übrigen Telegrafenämtern mittels Fernsprechanlagen ausgeführt war; die Zahl der in diesen letzteren benutzten Fernsprecher betrug 2.273.

  • In Österreich hatten die Eisenbahnen 12.013 km Linien mit 29414 km Draht und Privatgesellschaften 251 km Linien mit 543 km Draht; beide sind mitgerechnet, ebenso deren 1.330 bez. 97 Ämter, nicht dagegen ihre 1.660 bez. 141 Apparate.

  • Belgien besitzt 247km Linien mit 1.269 km Draht entlang der Flüsse für den Dienst der Schifffahrt und der Hochwassermeldungen; dieselben sind mitgezählt. Von den belgischen Ämtern haben 97 Apparate, womit nur Telegramme weiter befördert, nicht aufgenommen werden können.

  • Großbritannien. Mit gezählt sind 17.799 km Privatleitung, nicht die Eisenbahnleitungen. Unter den Ämtern sind 41 Pneumatik Stationen, dagegen fehlen die Ämter der verschiedenen Gesellschaften mit Kabeln nach dem Auslande. Von den Apparaten sind 4.526 in Privatleitungen. Für die Presse werden wöchentlich im Mittel 6.557.045 Wörter telegraphiert.

  • Italien. Einschließlich 389 Ämter bloß für den Staats- oder Eisenbahndienst. Die Apparate der Eisenbahnämter sind nicht mitgezählt. 515.000 Telegramme der Eisenbahngesellschaften wären noch hinzuzurechnen.

  • Luxemburg. Die 38 Apparate stehen in den 23 Staatsämtern.

  • Niederlande. Alle Angaben, die Ämterzahl ausgenommen, beziehen sich bloß auf die Staatstelegraphen. Die Eisenbahnen haben nur sehr untergeordneten telegraphischen Verkehr.

  • In Norwegen sind 37 einfache Wheatstone'sche Nadeltelegraphen, 42 Siemens'sche Magnetzeigertelegraphen und 68 Zeigertelegraphen von Digney im Gebrauch.

  • Schweden. 3.511 km Linien mit 9.546 km Draht gehören ausschließlich den Eisenbahnen. Überdies besitzt Schweden gemeinschaftlich mit Deutschland das 83 km lange Kabel nach Rügen und mit Dänemark das 15 km lange Sundkabel.
    Unter den Apparaten sind 564 Zeigertelegraphen der Eisenbahnen. Die Eisenbahnämter befördern noch etwa 3.000.000 Telegramme.

  • Japan hat unter seinen Ämtern 82 bloß für den Staatsdienst und Polizei (davon 40 mit 46 Telefonen) und 7 bloß für den Eisenbahndienst.
    In Victoria werden Telefone als Ersatz Wheatstone'scher Telegraphen benutzt.

  • Neuseeland. Unter den Apparaten sind 19 Telefone. In Auckland, Christchurch und Dunedin sind Telefonnetze mit je 70 Teilnehmern.
    Bei Ägypten sind die Privatlinien der Eastern Company, der Daïra-Sanieh Company und der Suezkanal Compagnie mitgerechnet; diese 3 Gesellschaften haben 19 Ämter mit 23 Apparaten. Unter den Apparaten sind 4 Telefone.

  • Portugal. Weder Eisenbahn-, noch Privatlinien sind gerechnet.

  • Russland. 7.726 km Eisenbahn- und Privatlinien mit 53.793 km Draht sind eingerechnet; desgleichen 3.052 Apparate der Eisenbahnämter.

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