Der Viertelanschluss - Ein österreichische Besonderheit
Das rechte Bild zeigt eine Teilnehmerstation für einen Viereranschluss nach dem System Dietl Wien.
Bei einem Viertelanschluss wurden an eine Anschlussleitung mit 2 Kupferadern bis zu 4 Teilnehmer Apparate angeschlossen. Die Anschlussleitung konnte dadurch besonders in den Ballungsräumen oder in den länglichen Gegenden besser ausgenutzt werden.
Die Teilnehmer konnten nicht gleichzeitig telefonieren und sich auch gegenseitig nicht anrufen.
Als die Nachfrage nach neuen Telefonanschlüssen die technischen Möglichkeiten bei weitem überstieg, wurden vor allem in Ballungszentren die so genannten Gesellschaftsanschlüsse eingeführt – im Volksmund „Viertelanschluss“ genannt.
Wobei diese Verallgemeinerung nicht ganz richtig ist: im Raum Linz gab es sogar „Achtelanschlüsse“, in ländlichen Gebieten war der „Zweier-Anschluss“ üblich.
Ein heute liebenswerter Anachronismus, der allerdings damals viele Gemüter erhitzte und nicht selten zu Auseinandersetzungen unter Nachbarn führte ...
Bitte warten, der Nachbar spricht gerade
Grundsätzlich war die Einführung der Gesellschaftsanschlüsse eine begrüßenswerte Initiative, um mit bestehenden Ressourcen, insbesondere in den schweren Zeiten des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, möglichst schnell alle Haushalte mit einem Telefonanschluss zu versorgen. In der Praxis freilich funktionierte ein Viertelanschluss nur dann zur Zufriedenheit aller Teilnehmer, wenn kein „Dauertelefonierer“ dabei war. Denn solange einer die Leitung besetzt hielt, hatten die anderen Drei das Nachsehen.