Bei zahlreichen Anschlüssen würden Verbindungen zwischen weit voneinander entfernten Schränken nur umständlich, z. B. unter Benutzung sehr langer Schnüre und unter Inanspruchnahme mehrerer Beamten, erfolgen können.
Deshalb ist beim Vielfachumschaltesystem jede Anschlussleitung in jedem Schrank auf einer Verbindungsklinke, jedoch nur in einem Schrank auf Abfrageklinke und Rufzeichen geschaltet, damit die Anschlussleitung an dem Schrank, wo sie auf Rufzeichen liegt, mit allen übrigen Anschlussleitungen des Amtes an diesem Schrank verbunden werden kann.
Es ist heutzutage möglich, in jedem Vielfachschrank, der in der Regel drei Arbeitsplätze umfasst, bis zu 20.000 Verbindungsklinken, zu einer Klinkentafel oder einem Klinkenfeld vereinigt, unterzubringen und von jedem der drei Beamten bis zu 240 Teilnehmer bedienen zu lassen.
Sind z. B. in ein Amt 4.500 Teilnehmerleitungen eingeführt und sollen an jedem Arbeitsplatz 150, am Schrank also 450 Teilnehmer bedient werden, so sind 10 Schränke u. an jedem Schrank eine Klinkentafel mit 4.500 Verbindungsklinken erforderlich.
Die Klinken sind entweder auf Unterbrechung geschaltet oder in Brücke gelegt (Siehe kleines Bild: K1). Das Prinzip der Vielfachschaltung ist in dem Schema am durchsichtigsten.
Die Anschlussdoppelleitung 2.100 liegt in jedem Schrank auf Klinke K1, jedoch in Schrank V auch auf der Abfrageklinke K2 und auf Rufzeichen, das, wie alle sonst erforderlichen Apparate, der Übersichtlichkeit halber weggelassen ist; der Anschluss 30 liegt im Schrank I auf Abfrageklinke K4 und außerdem in jedem Schrank auf K3.
Soll Anschluss 30 im Schrank I mit Anschluss 2100 verbunden werden, so wird der eine Stöpsel einer zweidrähtigen Schnur in K4 und der andre in die Klinke K1 des Schrankes I gesetzt. Außer in Schrankform werden die Vielfachumschalter auch in Tischform hergestellt, um Klinken zu ersparen, da dasselbe Klinkenfeld von beiden Seiten benutzt werden kann.
An der Ausbildung der Vielfachumschalter, die zuerst von den Amerikanern als Einschnur- und Zweischnursystem entworfen worden sind, haben viele große elektrotechnische Firmen gearbeitet.
Es gibt Systeme von Mix u. Genest, namentlich für kleine und mittlere Ämter, von Stock u. Komp. in Tischform, Siemens u. Halske, von der Western Electric Co., Kellogg in Chicago etc.
Neuerdings wird besonders folgendes angestrebt:
Verwendung von Glühlampen als Anruf- und Schlusszeichen, die selbsttätig arbeiten, d. h. beim Abnehmen oder Anhängen des Teilnehmerfernhörers aufleuchten; Benutzung einer einzigen Zentralbatterie auf dem Amt, welche die Mikrophon- und Weckbatterien der Teilnehmer ersetzt; ferner wird angestrebt, die Kapazität der Klinkenfelder zu steigern, um die Ämter für eine möglichst große Zahl von Anschlüssen aufnahmefähig zu machen; endlich die Zahl der Handgriffe der Beamten zu vereinfachen, damit sie möglichst viel Anschlüsse bedienen können.
Die große Bild unten stellt das neueste Zentralbatteriesystem der Western Electric Co., wie es von Petsch, Zwietusch u. Komp. in Berlin gebaut wird und in zahlreichen Städten Amerikas sowie in London, Brüssel, Budapest, Mannheim etc. eingeführt ist, schematisch dar.
- Hängt H4 an U3 (Stelle B), so ist nur G3 und C3 beim Teilnehmer eingeschaltet.
- C3 lässt Wechselströme aus D2 durch, verhütet aber einen Kurzschluss von B2. Wird H3 (Stelle A) abgenommen, so fließt Strom aus B2 durch R3, dessen Anker r33 angezogen wird.
- Die Lampe L2, die in Wirklichkeit unmittelbar über K3 liegt, leuchtet auf, desgleichen die für einen Arbeitsplatz gemeinschaftliche Lampe L3.
- Nach Einführung von S2 in K3 und bei Stellung T3 wird mit H2 und M2 abgefragt, während gleichzeitig das Relais R2 seinen Anker anzieht, R3 und B2 von der Teilnehmerleitung abgeschaltet werden und B2 über w82, R5, Stöpsel, Anschlussleitung, w84 eingeschaltet wird.
- L2 und L3 erlöschen, auch L4 wegen des Nebenschlusses W2.
- Ist beim Berühren von P2 mit der Spitze von S3 in H2 kein Knacken hörbar, so ist die gewünschte Teilnehmerleitung frei, und S3 wird in K4 gesteckt, und der Teilnehmer durch Umlegen von T2 nach T4 geweckt, L5 leuchtet auf und erlischt erst, wenn bei Stelle B der Hörer H4 abgenommen wird.
- Nach beendetem Gespräch, wenn beide Hörer H3 und H4 wieder angehängt sind, leuchten L4 und L5 als Schlusszeichen auf.
- Der Beamte erkennt also aus dem Aufleuchten und Erlöschen der Lampen genau den Stand des Gesprächs.
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