Als Telegrafie bezeichnet man verschiedene Formen der Übermittlung von Texten über mehr oder weniger weite Entfernungen. Im Gegensatz zum Sprechfunk und der Telefonie wird bei der Telegrafie nicht gesprochen, sondern die Buchstaben werden über einen Code übertragen. Die Übertragung funktioniert gleichzeitig nur in eine Richtung, im Gegensatz zur bidirektionalen Verbindung via Telefon.
Die älteste Form ist die optische Telegrafie, bei der die Codes von Menschen erzeugt und ausgewertet wurden. Bei der jüngeren, elektromagnetischen Morsetelegrafie war dies ebenfalls notwendig. Erst mit dem Zeigertelegraf und später dem Fernschreiber wurde die Buchstabenkodierung automatisch durchgeführt.
Besondere Telegrafen waren früher optische Telegrafen (Semaphore), Feuer-, Feld-, Eisenbahn-, Haus- und Schiffstelegrafen.
Die kabelgebundene, sogenannte elektrische Telegrafie, konnte sich erst nach 1730 durch die Erkenntnis, dass sich elektrischer Strom entlang eines Leiters fortpflanzt und der Erfindung der Voltasche Säule durch Alessandro Volta, im Jahr 1800 entwickeln.
Das rechte Bild zeigt den Fünfnadeltelegraf von Cooke and Wheatstone.
Einer der ersten Pioniere auf dem Gebiet der elektrischen Telegraphie war der aus Barcelona stammende Arzt, Meteorologe und Physiker Don Francisco Salva Campillo (1751-1828). Salva führte sein System 1795 der Reial Acadèmia de Ciències i Arts de Barcelona vor. Salvà meinte damals schon, es würde eines Tages möglich sein, elektrische Impulse auch drahtlos zu übertragen.
Der Anatom Samuel Thomas von Soemmerring konstruierte 1809 in München einen elektrischen Telegrafen, bei dem jedes Zeichen durch einen eigenen Leiter übertragen und durch elektrochemische Zersetzung des Wassers signalisiert wurde. Ein Modell seiner Konstruktion befindet sich heute im Museum für Kommunikation in Frankfurt, das Original steht im Deutschen Museum in München.
Nach Entdeckung der elektromagnetischen Induktion durch Michael Faraday im Jahre 1832 führten Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß 1833 Versuche mit einem elektromagnetischen Telegrafen durch. Im selben Jahr gelang ihnen die erste telegrafische Nachrichtenübertragung, vom Physikgebäude bei der Paulinerkirche in der Göttinger Innenstadt zur Göttinger Sternwarte. Zur Nachrichtenübertragung dienten positive oder negative Spannungspulse, die durch gezieltes Umpolen und Auf- und Abbewegen einer Induktionsspule erzeugt wurden. Die Spule wurde hierzu über ein Bündel von magnetisierten Stahlschienen geschoben.
Ein Nachbau, den Weber für die Weltausstellung 1873 in Wien in Auftrag gab, wird in der historischen Sammlung des Ersten Physikalischen Instituts der Universität Göttingen aufbewahrt.
1835 entwickelte Paul Freiherr Schilling von Cannstatt in St. Petersburg einen Nadeltelegraphen, der durch die Ausschläge einer kompassähnlich gelagerten Magnetnadel die Ziffern 1 bis 10 angab. Diesen sah der Engländer William Fothergill Cooke 1836 in Heidelberg. Zusammen mit Charles Wheatstone schuf dieser daraufhin 1837 die erste betriebssichere Signalleitung für eine Eisenbahnstrecke in England. Diesem System entspricht der erste öffentlich genutzte elektrische Telegraf in Deutschland auf der ersten längeren europäischen Linie Bremen-Bremerhaven.