Im Jahr 1962 enstand der dritte Mast.
Als im Jahr 1962 dann das ZDF mit der bundesweiten Ausstrahlung seines Programms begann, war ein weiterer Übertragungsmast notwendig geworden. Es entstand ein neuer 332 m hoher Mast. Dieses Mal entschied man sich, den Mast zusätzlich mit einer Rundstrahl-Antenne auszustatten, um die Region optimal zu versorgen - dass gleichzeitig den kleinen politisch bedeutsamen Nebeneffekt hatte, dass das DDR-Gebiet in Reichweite dieser Antenne (ca. 75 km) ebenfalls Westfernsehen sehen konnte.
Den Berlinern standen nun über den Sender Höhbeck insgesamt 2.400 Fernsprechkanäle zur Verfügung. Außerdem waren auf dem Mast auch die notwendigen Sendeantennen für die inzwischen aufgekommenen Autotelefone (B-Funknetz), später auch für das C-Funknetz installiert.
Warum die Höhe?
Da die Funkwellen die gesamte Strecke nach Berlin (133 km) vollständig überwinden müssen – die Einrichtung von Relaisstellen auf DDR-Gebiet war ja nicht möglich – und dabei annähernd geradlinig verlaufen, muss die Höhe des Sendemasts so eingerichtet werden, dass die Funkwellen die Erdkrümmung überwinden können. Die Berechnungen ergaben für die Entfernung zwischen der Empfangsstation in Berlin-Schäferberg und der Sendeanlage auf dem Höhbeck eine notwendige Höhe von 332 m.
Wie konfliktträchtig die Beziehung der DDR zu Westdeutschland in Bezug auf Berlin immer noch war, mag vielleicht ein kleines Detail verdeutlichen: da man Sorge hatte, dass Berlin eventuell wieder mit einer Luftbrücke versorgt werden müsste, baute man auf einer Höhe von 200 m Sprengkammern in den Mast ein. Man wollte einer eventuellen Kollision der niedrig fliegenden „Rosinenbomber“ mit dem insgesamt 408 m aufragenden Mast vorbeugen.
Anlässlich der Olympiade 1972 bekamen die Höhbeck Türme auch für die DDR besondere Bedeutung: bei aller Abschottung gegen den Westen wollte man doch teilhaben an der Berichterstattung über die Olympiade. Deswegen baute die DDR auf ihrem Gebiet Zwischenstationen auf, die auch nach Beendigung der Olympiade bestehen blieben – allerdings sendeten diese dann nur noch nach Ost-Berlin.
Mit dem Dienstwagen zum Einkaufen
Technisch arbeitete man zu dieser Zeit immer noch mit der sogenannten Überhorizont Richtfunkverbindung, die zwar eine sehr hohe Leistung ermöglichte, aber recht arbeitsaufwändig war.
Zur Blütezeit der Türme von den 60er bis Anfang der 70er Jahre arbeiteten ca. 40 Mitarbeiter auf der Funkstelle. Teilweise wohnten die Mitarbeiter-Familien sogar auf dem Gelände der Funkstelle, denn die Aufgabenstellung erforderte eine Sofortentstörung. Immerhin waren tausende Menschen vom Funktionieren der Anlagen abhängig, um telefonieren zu können oder Funk und Fernsehen zu nutzen.
Wie sehr die Arbeit auf dem Höhbeck auch das soziale Leben der Mitarbeiter, aber auch der Dörfer rund um den Höhbeck bestimmte, ist in einem alten Bericht nachzulesen:
Es wurde Anwesenheit rund um die Uhr verlangt, aufgefangen durch ein freies Wochenende alle zwei Wochen. Das Personal, das zumeist von weither in die abgelegene Dienststelle kam, begrüßte das sehr. Auch waren Versorgungsfahrten nach Lüchow eingerichtet, die es den Familien, die in den Häusern auf dem Dienstgelände in den Ortschaften um den Höhbeck herum wohnten, ermöglichte, einmal wöchentlich einzukaufen.
Außerdem wurden ab 1955 der Zusammenhalt der Kollegen und deren Familienangehörigen durch einen Sommernachtsball gefördert, der bis Hannover sehr beliebt war. Kleine Darbietungen, Tanz und ein Laternenumzug erfreuten auch Gäste aus den umliegenden Ortschaften. Die von außen gut erkennbare Expansion der Dienststelle wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und eine Einladung zum Sommernachtsball gerne angenommen.
Die deutsche Post, die damals noch Dienstherr der Beamten war, nahm ihre Fürsorgepflicht für die Angestellten ernst. Da damals kaum jemand ein Auto besaß, war es notwendig, den Familien der Mitarbeiter zu ermöglichen, zum Einkaufen, ins Kino oder zum Arzt nach Gartow oder Lüchow zu gelangen. Hierfür waren auf der Funkstelle sogar mehrere Kraftfahrer (mit schicker Uniform) zuständig, die auch die Kinder der auf der Funkstelle wohnenden Familien zur Schule brachte. Das trug so manchem Kind den Ruf elitär zu sein ein, berichten Zeitzeugen. Sogar für das leibliche Wohl sorgte die Deutsche Post: mit umliegenden Gaststätten waren Versorgungsverträge für die Mitarbeiter geschlossen worden, so dass sie zu günstigen Bedingungen zum Essen gehen konnten.
In Lüchow-Dannenberg gab es natürlich nicht so viele ausgebildete Fachleute für Funktechnik, um den Bedarf auf der Funkstelle zu decken. Also kamen viele Mitarbeiter aus verschiedenen Gegenden Deutschlands auf den Höhbeck: aus Stuttgart, Hannover oder Lüneburg waren sie auf die entlegene Station versetzt worden. So manch einer wurde hier heimisch und siedelte sich rings um den Höhbeck an.
Der abgelegene Standort und die für das bäuerlich geprägte Umland ungewöhnliche Arbeit mit hochmoderner Funktechnik führten dazu, dass unter der Belegschaft der Funkstelle ein großer Gemeinschaftssinn herrschte, der sich unter anderem in vielen Feierlichkeiten oder Ausflügen zeigte. Sogar ein eigenes Wappen und ein Höhbeck Lied kreierten sie: Der Höhbeck ist doch weit bekannt, der Richtfunk strahlt's durchs ganze Land. Das Testbild ist so wunderschön, ein jeder wird's auch in der Ferne seh'n, dichtete der Pförtner Wilhelm Berzau. 1975 wurde dieses Lied stolz zum 25-jährigen Jubiläum intoniert.
Dabei war es manchmal gar nicht so einfach, den Arbeitsort zu erreichen. Im schneereichen Winter 1969 blieben die Dienstfahrzeuge in den meterhohen Schneewehen stecken - es war einfach kein Durchkommen mehr. Als später (in den 70er Jahren) die Fernwartung möglich wurde, reduzierte sich die Zahl der Mitarbeiter drastisch.