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    Notrufsäule  137 von 232eine Seite zurückeine Seite vor

    Notrufsäule
    Feueralarm mit Telefon

    Eine Notrufsäule ist eine Fernmeldeeinrichtung, die es Menschen ermöglicht, in abgelegenen oder besonders gefährdeten Gegenden Hilfe herbeizurufen.

    Deutschland

    In Deutschland sind Notrufsäulen heute auf Autobahnen und abgelegenen Bundesstraßen, Landstraßen und Kreisstraßen ca. alle 500 m bis 2000 m aufgestellt. Innerstädtisch stehen sie noch vereinzelt in Grünanlagen oder an anderen Punkten, an denen man ihren Betrieb noch für erforderlich hält. Auch viele Verkehrsunterhalter im ÖPNV, private Institutionen und Behörden betreiben in ihrem Wirkungskreis ein eigenes, meist kabelgebundenes, oft nur internes Notrufsäulennetz.

    Geschichte

    In den Straßen Berlins wurden ab dem Jahr 1924 erstmals 30 Polizeistraßenmelder installiert. Das Bild rechts oben aus dem Jahr 1903 zeigt einen Schutzman bei der Alamierung der Feuerwache. Polizeibeamte im Straßenaufsichtsdienst konnten mittels der ans Telefonnetz angeschlossen Melder mit dem zuständigen Polizeirevier Kontakt aufnehmen. Dies diente beispielsweise der Anforderung von Unterstützung durch ein Überfallkommando, von denen in Berlin 18 in Bereitschaft standen. Auch das Revier konnte mittels einer Signalglocke den diensthabenden Beamten auf der Straße anrufen. Nach positiven Erfahrungen erließ das preußische Innenministerium 1926 die generelle Einrichtung dieser Anlage.

    Als Weiterentwicklung derartiger Straßenmelder aus der Weimarer Republik wurde auf der Internationalen Polizeiausstellung Essen im Jahr 1956 eine Notrufeinrichtung zur kostenlosen Alarmierung der Polizei durch die Bevölkerung vorgestellt. Dieser „eiserne Schutzmann“ erfuhr eine weite Verbreitung. So waren etwa in Nordrhein-Westfalen bis zu 3.000 der hellgrünen Säulen aufgestellt, lange, bevor ein einheitlicher, kostenloser Notruf etwa aus Telefonzellen möglich war. Der eiserne Schutzmann war etwa 2,20 Meter hoch und mit einer beleuchteten Schriftzeile „Polizei“ oder auch „POLIZEI + FEUER“ am Dach gekennzeichnet. Die Spitze der Säule bildete eine gelbe Rundumleuchte. Die wurde aktiviert, wenn ein Bürger durch Betätigung eines Knebelschalter über eine Freisprecheinrichtung den Kontakt zur Polizei herstellte. Die Leitstelle konnte ihrerseits jede einzelne Rufsäule anrufen, woraufhin die Rundumleuchte Polizeibeamten vor Ort den Anruf signalisierte.

    Mit ähnlicher Fernmeldetechnik und Bedienung, aber in einem Kasten untergebracht, boten Polizei-Rufstellen vor nicht ständig besetzten Polizeidienststellen die Möglichkeit, Hilfe zu rufen.
    Der „Eiserne Schutzmann“ verrichtet heute noch vereinzelt seinen Dienst. Neuere Modelle sind aus Kunststoff gefertigt, haben rote statt hellgrüner Farbe, der Knebelschalter ist durch einen Druckknopf ersetzt und die Rundumleuchte fehlt.

    Autobahnen, Bundes- und Landstraßen

    1955 begann man mit dem Aufstellen von Notrufsäulen an deutschen Autobahnen. Seit 1999 werden die Notrufsäulen von der GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG (GDV DL) des Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) abgefragt. Eingehende Notrufe werden vom Notruf der Autoversicherer entgegengenommen. Notrufe werden an die zuständige Rettungsleitstelle weitergeleitet. Pannenmeldungen werden an den gewünschten Pannendienst weitervermittelt. Für den technischen Unterhalt der Säulen an den Autobahnen sind die zuständigen Fernmeldemeistereien verantwortlich.

    Die einst rund 7.000 Notrufsäulen an den Bundes- und Landstraßen wurden von der Björn-Steiger-Stiftung und der Jürgen-Pegler-Stiftung betrieben. Die Abfrage erfolgte teils vom Notruf der Autoversicherer; teils sind sie zur zuständigen Polizei bzw. Rettungsleitstelle geschaltet. Am 29. Juni 2011 teilte die Björn-Steiger-Stiftung mit, dass die Säulen in allen Bundesländern bis auf Baden-Württemberg bis Ende 2011 abgebaut würden. Bereits Mitte 2011 gab es nur noch 2.000 im Betrieb befindliche Notrufsäulen der Björn-Steiger-Stiftung. Sie seien nicht mehr finanzierbar und durch die zunehmende Handynutzung überflüssig geworden.

    Dagegen ist über den Verbleib der etwa 16.000 Notrufsäulen an deutschen Autobahnen noch keine verbindliche Entscheidung getroffen; vorerst werden neugebaute Abschnitte nach wie vor mit Notrufsäulen ausgerüstet und der Bestand gepflegt. Die statistischen Rufzahlen von etwa 700 Betätigungen am Tag, zeigen einen deutlichen Bedarf auf. Besonders zu den Hauptreisezeiten werden die Notrufsäulen immer noch rege genutzt. Auch bei Überlastung der Handy-Netze (z. B. etwaige Großschadenslage oder defektes Festnetz) steigen die Rufzahlen in den entsprechenden Umkreis signifikant an. Ebenso bei starkem Frost wird eine deutliche Rufzahlsteigerung verzeichnet. Immer wieder werden Diskussionen über die Zukunft der Säulen auf deutschen Autobahnen geführt – greifbare Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

    Bei der Benutzung mancher Notrufsäulen (z. B. an den Autobahnen) ist es wichtig, die Kilometerzahl des aktuellen Straßenabschnitts mitzuteilen, um die eigene Position eindeutig zu definieren. Um die nächste Notrufsäule zu finden, sind an den Leitpfosten kleine Richtungspfeile angebracht, die anzeigen, wo sich die nähere Säule befindet.

    In vielen Städten wurden Notrufsäulen in Grünanlagen oder anderen Orten aufgestellt, an denen die Alarmierung von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst sonst zeitaufwändig wäre. Die Verbreitung städtischer Notrufsäulen hat mit der Verbreitung des Mobilfunks abgenommen, dieser hat weiterhin zu einem Bedeutungsverlust aller Notrufsäulen geführt.
    Moderne Notrufsäulen können per ISDN, Ethernet (IP-Telefonie) und auch per GSM mit einer Notrufleitstelle Kontakt aufnehmen. Bei diesen Geräten wird auch eine Standortkennung übertragen.


    Notrufsäule

    Technik

    Auf deutschen Autobahnen werden ausschließlich Notrufsäulen des Herstellers Siemens aufgebaut.
    Technisch gilt das System als „Sonderkommunikationsmittel“, da es anderen Anforderungen entspricht als übliche Festnetztelefone: Unter anderem werden Leitungswege bis zu 60.000 Meter ohne Verstärker verlegt.
    Alle aktuell betriebenen Generationen sollen in der Lage sein, im Falle eines Notrufes den Standort der Säule zu übermitteln. Neue Generationen der Säule ab dem Modell ANE 90 beherrschen ein einfaches Polling, das regelmäßig die Erreichbarkeit der Säule prüft.

    Die aktuelle Generation ANE 2000 verfügt zudem über eine automatische Funktionskontrolle der Notrufsäule. Sie kann sich selbst (einschließlich Lautsprecher und Mikrofon) überprüfen, stellt die notwendige Verstärkung selbstständig ein und passt sie gegebenenfalls neu an. Auch ist es bei diesem Modell möglich, der Pannentaste und der Notruftaste unterschiedliche Empfänger zuzuordnen.
    Notrufsäulen auf GSM-Basis sind gelegentlich auch im Betrieb, meist als Baustellen-Notlösung. Säulen mit Voice-over-IP-Technik werden zurzeit noch nicht in größerem Maße eingesetzt.

    Notrufsäulen, die nicht an einer Autobahn stehen, sind in der Regel mittels des Kabelnetzes der Deutsche Telekom zur Rettungsleitstelle oder Polizei verbunden. Säulen, die von der Björn-Steiger-Stiftung betrieben werden, sind über das Mobilfunknetz mit einem Callcenter verbunden.

    Die Deutsche Bahn AG z.B. betreibt eigene Notrufsäulen, die zum Teil mittels Kabel, aber auch über GSM-R angebunden sind.

    Österreich

    In Österreich gibt es die Notrufsäulen nur auf Autobahnen und Schnellstraßen. Die jeweilige Kilometerzahl ist nur auf den VoIP-Notrufsäulen - erkennbar an der eckigen Bauform - angegeben.

    Auf den bestehenden alten Siemens-DTMF-Säulen ist die laufende Nummer der Notrufsäule groß angeschrieben. Der Notruf wird an die Straßenmeisterei der ASFINAG abgegeben. Sie haben außerdem einen Reflektor, kombiniert mit einem Blinklicht, das bei besonderen Gefahren, speziell bei Geisterfahrerwarnung blinkt. Säulen der ältesten Bauform hatten dazu Stroboskopröhren eingebaut, die letzte Bauform verwendet mittlerweile LED-Technik. Notrufsäulen sind auf der Autobahn meist immer paarweise gegenüber aufgestellt, sodass niemand in Versuchung kommt, die Fahrbahnen zu Fuß zu überqueren.

    Normalerweise sind Siemens-Notrufsäulen über Kupferkabel seitens der Autobahnmeisterei mit Strom versorgt. Die Übertragung erfolgt in 6-Draht-Technik. Eine Doppelader zur Übertragung des Gespräches - sie wird mit Spannung aus der Autobahnmeisterei versorgt, eine Doppelader zur Spannungsversorgung mit 48 V zum Laden der Notfallakkus, sowie eine Doppelader, welche zur Übertragung der Standortidentifizierung mittels DTMF-Signal dient.

    Auch das Positions- und Alarmblitzlicht im Säulenkopf wird mittels DTMF-Signal geschaltet. Diese aufwendige Lösung hat den Vorteil auch im spannungslosen Zustand ein sicheres Gespräch zur Autobahnmeisterei führen zu können. Es fehlt im Fehlerfall nur die automatische Standortkennung. Bis vor einigen Jahren wurden Säulen aus Kostengründen in einem "Master & Slave"-System installiert, in welchem immer einer Hauptsäule eine zweite untergeordnet war. Diese Bauart ist heute aber nur mehr sehr vereinzelt anzutreffen und wird auf Grund der Fehleranfälligkeit mehr und mehr verdrängt. Neuere Säulen (mit GSM-Anbindung) werden mit Solarzellen und Akku versorgt.

    In letzter Zeit werden bei Streckenumbauten die europaweit dem neuesten Stand der Technik entsprechenden VoIP-Säulen (Voice over IP) der Fabrikate IT-Technology GmbH (z.B.: A2, A8) und Siemens verbaut. Diese Säulen werden mittels Glasfasertechnik oder Ethernet über das Netzwerk an das verteilte Notrufserversystem (SaNORS) herangeführt. Die Signalisierung und Sprachübertragung erfolgen dabei über die VoIP-Standardprotokolle SIP/SDP (Session Initiation Protocol) und RTP (Realtime Transport Protocol), im Rahmen dessen auch die Steuerung (SDP) von Warnlichtern usw. effektiv durchgeführt werden kann.

    An sämtlichen Autobahnstrecken, wo Komplettsanierungen durchgeführt werden, wird auch auf diesen Standard aufgerüstet. Bevor die ASFINAG die Verwaltung der Autobahnen übernahm, fiel die Wartung der Notrufsäulen in die Verantwortung der ÖBB, da sie mehr Erfahrung mit Kommunikationseinrichtungen im Gegensatz zur Straßenverwaltung hatten. Diese regelmäßigen Wartungen werden mittlerweile in Jahresverträgen an diverse Fremdunternehmen vergeben - im Süden Österreichs z. B. an das österreichische Unternehmen D.P.B. (www.dpb.at).

    Textquelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie Stand: 30.1.2013
    Quelle: Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.


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